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16 (1880) Agis und Kleomenes
Entstehung
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Plutarch, Agis.

Zweites Kapitel.

Ein vollkommen wackerer Mann im strengsten Sinne bedarfüberhaupt der Ehre gar nicht, außer sofern sie ihm Bahn machtfür seine Handlungen, auch durch das Vertrauen, das er genießt.Nur einem jungen ehrliebenden Menschen kann man nach schönenThaten auch eine gewisse Eitelkeit verzeihen, womit er sich inseinem Ruhme gefällt. Zn diesem Alter kommt jede Tugenderst zum Entstehen und Aufkeimen; bei günstigem Erfolge erstarktsie, nach Theophra'stsAusdruck, durch das Lob, das man ihr spendet,und wächst dann in der Folgezeit mit dem Selbstbewußtsein nochmehr unter dem Einflüsse des gleichen Lobes. Aber das Übermaßist allenthalben gefährlich und bei dem politischen Ehrgeize gerade-zu verderblich. Denn es führt jeden, der eine große Machtvoll-kommenheit erlangt hat, zur Narrheit und zum offenkundigenWahnsinn, wenn er nicht mehr in dem Sittlichen die Quelle derEhre erblicken will, sondern umgekehrt in der Ehre das Gute zufinden glaubt.

Als Anti'pater einmal dem Pho'kion eine unsittliche Hand-lung zumutete, erklärte ihm dieser:Du kannst nicht zu gleicherZeit einen Phokion zum Freunde haben und zum Schmeich ler!"Dies oder etwas Ähnliches hat man auch der Menge zu erklären:Ihr könnt nicht an dem nämlichen Mann einen Führer habenund einen Bedienten!"

Es geht hier gerade wie in der Fabel von der Schlange.Der Schwanz fing Händel an mit dem Kopf und verlangte, daßer abwechslungsweise auch vorangehen dürfe und nicht immerfortdem Kopfe nachlaufen müsse! Er erhielt also die Führerschaft,kam aber dabei sehr übel weg, weil er im Unverstände seinesWeges zog und den Kopf tüchtig verstauchte', der ganz gegenseine Natur gezwungen wurde solchen Teilen zu folgen, welcheblind und taub waren.

Den gleichen Jammer sehen wir viele erleben, die bei ihrempolitischen Handeln sich nur die Gunst zum Ziele setzen. Siehängtcn sich an die Pöbelmasien, welche aufs Geratewohl dahin-