4 Plutarch, Vorwort zu Agis und KleomcneS.
Geistes, ihres Willens finden und endlich mit einer gewissenNaturnotwendigkeit sich aufreiben, weil der genial wirkendenKraft an keinem Orte der rechte Stoff sich zeigen will. Nochweit tragischer indessen ist der Anblick ringender Naturen,deren Ideal nicht vor ihnen, sondern hinter ihnen, nicht inder Zukunft, sondern in der Vergangenheit liegt. Sic kennenfür ihr Volk und Vaterland bessere, gesegnetere Zustände undmöchten sie zurückführen, aber die Blüte, welche sie zu schauenund zu schaffen wünschten, ist nicht sowohl eine unentwickelte,sie ist bereits verwelkt. Der kühle Verstand wird sie dahervielleicht als Thoren verlachen, welche das unmögliche unter-nehmen; aber das wärmere Herz wird ihnen seine Liebe, seineTeilnahme und Bewunderung nicht versagen. Und dies sinddie Empfindungen, welche sich uns aufdrängen, wenn wir vondem römischen Brüderpaare lesen oder von den beiden grie-chischen Diosku'ren — von Agis und Kleomenes.