Ikonographie.
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In der christlichen Kunst fand dieser heidnische Nimbus zuerst imOrient, etwas später auch im Occident Aufnahme; als Bezeichnung deshimmlischen Glanzes (nrsui, d6'§a , gloria ) der Gottheit und des Ab-glanzes derselben, in welchem die Seligen wandeln. 1 ) Seit dem VI.Jahrh. war die Glorie nicht nur als Attribut der drei Personen der Gott-heit, der Engel und Heiligen allgemein üblich, sondern auch nach Würdeund Hoheit der dargestellten Personen durch verschiedene Kennzeichen
Fig. 414.
Christus, XIII. Jahrh.
Fig. 413,
Fig. 415.Christus, 1508.
Gott Vater, um 1115
classificirt. Bei den drei Personen der Gottheit ist der Nimbus mit einemKreuze bezeichnet, dessen Mittelpunkt und unterer Arm von Kopf undHals bedeckt sind, und die drei sichtbaren Kreuzflügel werden bei denGriechen oft mit den Buchstaben o-ca-v (6 äh/, qui est, 2 Mose 3, 14)bezeichnet. Statt des kreisförmigen Nimbus (oder auf demselben)tragen Gott der Vater und Christus oft auch drei Lilien oder drei Strah-lenbündel, die wie Radien von dem Kopfe ausgehen. Nach Didron(a. a. O. S. 101 ff.) ist im Allgemeinen 2 ) der Nimbus bis zum
Fig. 417. Paulus, XIII. Jahrh.
Fig. 416. Plectrudis, XII. Jahrh.
1) In dem Ilortus deliciarum der Aebtissin Herradis (Handschrift aus dem XII.Jahrh. in der Bibliothek zu Strassburg) findet sich folgende Erklärung des Nimbus :Lumina, quae circa caput sanctorum in modum circuli depinguntur , designant quodluminc aeterni spiendoris coronaii fruuntur. Idcirco vero secundum formam rotundiscuti pinguntur,-qüia divina protectione ut scuto munumtur. — Vergl. Durand,Rationale 1. 1. c. 3. n. *20. — Didron a. a. 0. S. 290.
2) Schon die wenigen obigen Beispiele (Eig. 413—417) beweisen, dass es mitder Didron’schen Chronologie des Nimbus nicht zu streng genommen werden darf:der Muschelnimbus, wie bei der Plectrudis (vergl. oben S. 071 Eig. 246), lässt sichdas ganze Mittelalter hindurch in einzelnen Fällen nachweisen ; der Liliennimbus(wie an dem Crucifix von 1508) kommt schon auf romanischen Gewölbeschlusssteinenbei den drei Personen der Gottheit (im Dome zu Merseburg) vor; die Abweichungvon der Rundform, wie bei dem Salvatorkopfe aus dem XIII. Jahrh., scheint aller-