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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

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welchen die Bäuerinnen der verschiedenen kleinen Städte Ita-liens tragen, sich noch vielfach Anklänge an antike Arbeitvorfanden. In den engen Thälern der Apenninen hatten sichReste einer uralten Cultur und Geschicklichkeit erhalten,welche in den grossen Culturstaaten Europas durch die vielenStrömungen des Kunstgesclnnacks längst fortgeschwemmt waren.Dort, wohin nichts eingedrungen war von den verschiedenenStylen, die im Laufe der Jahrhunderte unser modernes Europabeherrscht haben, dort arbeiteten die Goldschmiede für denBedarf einer kleinen engbegrenzten Gemeinde in uralter Weiseeinfach fort. Nicht nur die Technik war erhalten. selbst dieForm zeigte noch vielfach den verständnissvollen. zierlichenBau der besten antiken Modelle. Derartige bäuerliche Arbeitenwaren wohl früher gelegentlich einem Maler aufgefallen undhier und da als Curiosität für Maskenfeste aus Italien mit-gebracht worden. Castellani erkannte aber, dass in ihneneine Kraft schlummerte, die nur erweckt zu werden brauchte,um grössere Resultate zu erzielen, als irgend eine vorhandene,systematisch dazu herangezogene Iiandwerksgeschicklichkeitsie erreichen könnte. Das Resultat ist ein glänzendes gewesen.Die Arbeiten, welche Castellani herstellte, reihen sich denherrlichsten antiken Vorbildern aufs Würdigste an; sie sind fürDeutschland, Frankreich und England mustergiltig gewordenund haben uns einen neuen Massstab für das gegeben, wasman vom Handwerk verlangen kann.

In umgekehrter Weise ist in Schweden ein häuslichesKunstgewerbe durch Zuführung besserer Rohstoffe und Musterveredelt worden. Die Spitzenfabrikation 1 ) in Ostgothland isteine Reminiscenz aus jener Epoche, als die Nonnen des be-rühmten Klosters Wadstena sich derselben widmeten. Da diesesGewerbe durch Jahrhunderte sich selbst überlassen gebliebenund seine Broducte nur durch Hausirer verkauft worden waren,so hatten dieselben sich verschlechtert, sowohl vom Standpunktder Güte wie des Geschmacks, bis die verstorbene Königin siezu heben versuchte, indem sie aus dem Auslande bessere Garnekommen und neue Muster anfertigen Hess. Diese Bestrebungenwaren nicht vergeblich, wie die Erfolge beweisen, soweitman überhaupt schöne Spitzen von Mädchen verlangen kann,welche die Kunst des Winters mit der harten Arbeit auf demFelde im Sommer vertauschen.

Die wechselseitigen Anregungen des häuslichen Kunst-gewerbes und der modernen Kunstindustrie liegen allenthalbenvor Augen. Es ist aber beschämend einzugestehen, dass oftdie erstere durch letztere eine Verschlechterung erfährt. Gar

*, Mme. Rosalie dOlivecrona: De leducation et de lactivite de lafemme en Suede, dans lexpose statistique du rovaume de buede, par leDr. Elis Sidenbladh. 1876. S. 552.