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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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starrer Zähigkeit bei ihren alten Sitten hängen, theils in Folgeder unfreien Gebundenheit an die Scholle, welche gerade denBauern fest an die Heimath schloss und ihn in Folge seinerschwachen Absorptionsfähigkeit gegenüber der europäischenCultur mit dem nationalen Leben dauernd verband, theilserhielt wie in Schweden und Norwegen die urwüchsige persön-liche Freiheit den Bauern innig und treu mit dem nationalenLeben und der Ueberlieferung verbunden. Diesen gleich-bleibenden Bedarf in traditionellem Geschmack deckte nun diebäuerliche Bevölkerung theils in eigener Hauswirthschaft, theilsin localem Handwerk. Aber je länger, desto mehr drangendie Erzeugnisse der Industrie auch in diese Kreise, jene ein-fachen gewerblichen Betriebsweisen wurden von der capitalisti-schen Industrie überflügelt; der Sieg des capitalistischen überden Arbeiterbetrieb ist aber der Tod des häuslichen Kunst-gewerbes. Immer mehr werden die Reste dieser uralten Kunst-übung beschränkt auf minder civilisirte Länder und Gegenden,sie finden sich im unwegsamen Hochgebirg oder Urwald, invereinsamten, von der Heerstrasse entlegenen Thälern, und indieser Wildniss erscheint als alleiniger Vertreter des strengnationalen Lebens der Bauer. Nur hier auf local abgeschlosse-nen Consumtionsgebieten, bei geistig beschränkten Leuten, inihrer vollsten Ideen- und Bewusstlosigkeit in Kunst und Technikherrscht die absolute Autorität der Tradition, und weil dieseeine gesunde ist; so haben sich jene Jahrhunderte alten Blütheneines reinen, zarten und von einer erhabenen Natürlichkeitgetragenen Kunstgeschmacks unverwelkt erhalten.

Das häusliche Kunstgewerbe ist durch das Eindringen derMode und der modernen Industrie in schnellem Untergangebegriffen. Dieselbe retten und vor dem Verschwinden bewahrenkann man nicht; wohl aber vermag man das Gute, was siehaben, der modernen Kunstindustrie dienstbar zu machen. Dererste Mann, dessen Benutzung der Muster des häuslichenKunstgewerbes das weitaus bedeutendste Resultat auf diesemGebiete darstellt, ist Castellani, D welcher damals als poli-tischer Flüchtling in Neapel lebte und jetzt als erster Gold-schmied Italiens, ja vielleicht der Welt, in Rom arbeitet. Indiesem Manne, der sich vielfach mit Alterthümern abgegebenhatte, war das Streben rege geworden, die herrliche Voll-endung des antiken Goldschmucks wieder neu zu beleben. Diewenigen, halb zerbrochenen Stücke, welche sich gelegentlichin einem geöffneten Grabe fanden, waren die Modelle, die ihmVorlagen; von unseren modernen Goldschmieden, selbst vonden besten, war keiner auch nur entfernt im Stande, eine ähn-liche Feinheit und Vollendung der Arbeit zu liefern. Damalswurde Castellani darauf aufmerksam, dass in dem Goldschmucke.

J ) Nach Lessing a. a. 0. S. 26 und 27.