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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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Kunstgewerbe die gleichen Muster und Modelle, wie z. B. inden Stickereien der Bäuerinnen in Rumänien, Schweden undMähren. Diese Existenz von häuslichen Kunstgewerben unddie Uebereinstimmung ihrer Muster in verschiedenen Ländern,worauf beruhen sie? Auf zwei besonderen gewerblichen Be-triebsformen, auf der Eigenwirtlischaft zu eignem Bedarf undauf dem Handwerk!

Die häuslichen Kunstgewerbe sind uralt; theils sind sieautochton und originär entstanden, theils durch die Centrenmittelalterlichen Lehens eingeführt und gepflegt worden undhaben sich dann im Volke verbreitet. So istf die Stickerei,dieses Kunstwerk der weiblichen Hand, in fast allen Ländernder unbewussten Kunstülmng entsprossen, indem die Handunwillkürlich der textilen Structur folgte; aber sie hat sichauch von Italien aus vorzugsweise auf zwei Wegen durchEuropa und seine Colonieen verbreitet: durch die Itlege derschönen Künste an den Höfen und durch die Frauenklöster.Alle durch ihren Einfluss auf die Politik und ihren Antheil ander Hebung der Künste berühmt gewordenen Fürstinnen warenauch vorzügliche Stickerinnen; an ihren Höfen bestanden förm-liche Bildungsanstalten, an deren Spitze die Hausfrau desHofes selbst stand. An Arbeit fehlte es den Mitgliedern desFrauenzimmers nicht; für Festlichkeiten des Hofes, Turniereund andere Schaustellungen waren zahlreiche gestickte undverzierte Gewänder nothwendig, die als Geschenke und An-denken ausgetheilt wurden; so kamen die Kunstarbeiten in weiteKreise. Von solchen kunstsinnigen Frauen wurden dann Klöstergegründet, manche mit dein bestimmten Zwecke, in ihrer Schuleadlige Fräulein in solchen Wissenschaften und Künsten zuunterrichten. Es wurden dort grossartige Arbeiten ausgeführt;alte Krönungsmäntel und Messgewänder geben Zeugniss vondieser Kunstbliithe an Höfen und Klöstern. Von diesen strahltenun das Kunstgewerbe und die feinere Technik aus auf diekleineren Edelsitze und tief ins Land hinein. Hier wurdennun die Muster durch die fertigen Arbeiten, die Stickereien,Spitzen und Bänder von der Mutter auf die Tochter fortgeerbtund verknöcherten sich zu kunstgewerblicher Tradition. Danun ferner in damaliger Zeit an den Fürstenhöfen die Vor-lagen und Musterbücher namentlich der Italiener internationaleGeltung besassen, so löst sich das Räthsel, wie die gleichenMuster sich in ganz verschiedenen Gegenden verbreiteten undbis heute dort erhalten haben.

Die grossen Eigenwirthschaften, die Höfe und Klösterlösten sich in der neueren Zeit auf und ihre Producte warntendurch die Industrie mit capitalistischen Betriebsformen her-gestellt. Dadurch gerieth das für das grosse Publicum arbei-tende Kunstgewerbe unter die Herrschaft der Mode. Das Volkjedoch und namentlich die bäuerliche Bevölkerung blieb in