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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

als nationale Hausindustrie) oder, besser bezeichnet, als häus-liches Kunstgewerbe offenbart?

Zuerst wurde im Jahre 1867 durch die Pariser Weltaus-stellung die Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Napoleon hattedem Bauer- und Arbeiterstande eine Neugestaltung seinerLebensverhältnisse versprochen; nun wollte man in der Dar-stellung der Bauerncostüme und nationalen Gruppen ein ethno-graphisches und culturgeschichtliches Bild der Lage, des Lebensund der Beschäftigung der bäuerlichen Bevölkerung in den ver-schiedenen Ländern geben. Dieser erste Versuch, in dasinnere nationale Leben einzudringen, gab ausserordentlicheAnregung. Die Thonwaaren aller Art, Gewebe und Stickereien,Decken und ähnliche Gegenstände für den Hausgebrauch,Schmuckarbeiten und Anderes mehr wurden von dem grossenPublicum freilich nur als eine ethnographische oder costüm-liche Parität behandelt; tiefer blickende Kunstfreunde fandenin ihnen auch viele ältere, zum Theil uralte künstlerische Mo-tive, an längst vergangene Kunstperioden und Kunststyle er-innernd und vor allem eine Fülle höchst originelle]- und ge-sunder Können enthaltend, ererbte und für die moderne Kunstverloren gegangene oder ausser Hebung gekommene technischeWeisen, zahlreiche Ornamente und farbige Ornamentationsarten,die ebenso durch ihre Dichtigkeit wie Einfachheit und Unge-wöhnlichkeit das Auge fesselten. Wie in den Zeiten sittlicherZerrüttung und Schwäche die Poesie sich zu dem frisch sprudeln-den Born des Volksliedes hinwandte und sich von hier neue Kraftund Stärke holte, so wandten sich die Freunde der modernenKunstindustrie zu dieser reichen Quelle von Motiven, Principienund Kunstweisen, welche ergänzend, belebend und erfrischendauf den durch die Mode verderbten Geschmack und seine Er-zeugnisse einzuwirken vermochten.

Auf der folgenden Weltausstellung in Wien stand derkunstgewerbliche Gesichtspunkt im Vordergründe. Jacob Falkeerklärte in seinem Programm das für geeignet, was für diemoderne Kunstindustrie verwerthbar wäre. Zwar erfüllten sichdie gehegten Erwartungen nicht, aber die nationale Hausindustrietrat überall durchaus in den Vordergrund des Interesses.

Worauf beruht nun das Wesen des häuslichen Kunst-gewerbes? Darauf, dass es nicht eine wechselnde Mode, son-dern eine nach Jahrhunderte alten Ueberlieferungen reineKunst und oftmals eine streng nationale Kunstgestaltung zumAusdruck bringt. Andererseits finden sich aber, was nochauffallender ist, in verschiedenen Ländern für dieses häusliche

p Oesterr. Ausstellungsbericlit 1873: Prof. Richter: Hie nationaleHausindustrie, und I)r. Ferd. Stamm: Die Stickerei und die Spitzen.J. Falke: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung, 1873, S. 410419, und dessen Programm für die nationale Hausindustrie. Lessing:a. a. 0. S. 2538.