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ausstellung von 1879 in Berlin dürfte ein viel zu günstigesBild vom Stande des Kunstgewerbes geben. Mancher Fabri-kant. welcher im Laufe der Jahre nur ein einfaches Mustergekauft und in der Hauptsache sich begnügt hat, die übrigenzu — nehmen, kann auf dem grossen Markte zwar, nicht aberauf einer Ausstellung mit einer solchen Waare auftreten. DieAusstellung wird daher wohl die Leistungsfähigkeit, nicht aberdie durchschnittlichen Leistungen des Kunstgewerbes zur An-schauung bringen.
Die letzte Entscheidung ruht indessen nicht beim Künstlerund Fabrikanten, sondern beim kaufenden Publicum, welchesgegenwärtig noch der Dutzendwaare den Vorzug gibt. Freilichist Deutschland ein ärmeres Land als Frankreich und England,und um äusserlich die gleiche Cultur zu repräsentiren, musszu innerlich werthloseren Waaren gegriffen werden. Koch vielmehr liegt aber diese Gewohnheit des Haschens nach einseitigerBilligkeit in einem falschen wirthschaftlichen Princip, nur billigohne viel Rücksicht auf die Qualität zu kaufen. In Strassburgim Eisass hat man den Einfluss dieser deutschen Consumtions-riehtung gar bald wahrnehmen können. Die dortigen Magazineschafften sich speciell für die Prussiens billige und schlechteSorten an, während die Elsässer und Franzosen fortfuhren,theuer, aber besser zu kaufen. Einer Französin gilt es fürwohlanständig, von Laden zu Laden zu gehen, um die besteKaufgelegenheit zu ermitteln; die Deutsche genirt sich. denLaden zu verlassen, ohne etwas gekauft zu haben, und nimmtdaher das Billigste. Die erstere spart, indem sie gut, dieandere, indem sie billig kauft. Endlich muss man zugestehen,dass dem deutschen Volke das Verständniss für künstlerischeund geschmackvolle Erzeugnisse doch erst in geringem Masseaufgegangen ist. Dieser Mangel an formeller Cultur überhaupthängt innig mit dem Alter der Cultur zusammen. Die formelle'nicht die materielle) Cultur steht um so höher, je älter ineinem Volke oder in einem Stande die Cultur überhaupt ist.Das zeigt sich bei einem Vergleiche zwischen Italien undFrankreich, zwischen Frankreich und Deutschland, zwischenWest- und Ostdeutschland, endlich zwischen Adel und Bürger-thum. In der formellen Cultur steht das deutsche Volk hinteranderen zurück, es hat schlechte Consumtionssitten und istärmer, — die deutsche Kunstindustrie steht demnach am An-fänge einer noch sehr langen Entwickelung, in welcher andereVölker schon weit voraus geeilt sind. —
Die moderne Kunstindustrie sieht ihr Heil in ausgedehnterArbeitstlieilung, sie überweist jede Theilarbeit einem Fachmann,— und doch, was ist bis jetzt das Resultat? Kommt es jenemzierlichen, kunstsinnigen Schaffen gleich, welches sich uns als einein den Tiefen des Volkes und der Familie wirkende Tradition,