wollte, dass bei der internationalen Arbeitsteilung die glattenStoffe auf Crefeld gefallen wären. Ist ja doch Crefeld nureben soweit entfernt von Paris wie Lyon ? Und wenn die rhei-nische Modeindustrie sich bereits das Verdienst erworben hat,die Nachahmung der Lyoner und St. Etienner Fabrikate auszweiter Hand eingeführt zu haben, warum sollte sie nicht auchdirect die Pariser Muster ausführen? Indess alle Schulenwerden noch nicht hiezu führen, wenn nicht unternehmendeund einsichtsvolle Fabrikanten die gemusterten Stoffe in stär-kerem Masse aufgreifen; jedoch auch sie, ihr Geschmack undihre Fabrikation müssen dazu erzogen werden und dazu würdedie Webeschule sammt ihren Sammlungen das Ihrige bei-tragen. —
Den rheinischen Städten ist es nicht gelungen und wirdes nicht gelingen, in ihrer Nähe ein geistig-künstlerisches Cen-trum für ihre Mode- und Ivunstindustrieen ins Leben zu rufen.Nicht als oh es an Malern und Bildhauern fehlte. Inmittendes Niederrheins liegt ja Düsseldorf mit einer Künstlerschaftvon dreihundert Köpfen. Man muss sich deren Bildungsgangvergegenwärtigen, um ihr Verhalten gegenüber der Kunst beimAufschwünge der Conjunctur und gegenüber dem Kunstgewerbein normalen Zeiten zu verstehen.
Es ist eine interessante Thatsache, dass die deutschenMaler und Bildhauer den tiefsten Schichten der Gesellschaftentstammen; etwa neunzig Procent derselben sind Söhne vonBauern und Kleinbürgern; ihre allgemeine Bildung ist häutigeine mangelhafte und findet auch auf den Academieen keinegenügende Pflege. Während die Lehrlinge bei den Meisternder alten Zeit zunächst die harte Schule des Kunstgewerbesdurchmachten und erst bei dem Hervortreten grösserer Be-fähigung sich auf das Gebiet der reinen Kunst begaben, widmensich die Schüler der modernen Academieen sofort der reinenKunst und glauben sich Alle zum Höchsten berufen. Einerganzen Reihe mangelt es an Talent und ohne besondere geistigeund materielle Mittel entsteht ein Künstler-Proletariat, das sichauf unbegreifliche Weise ernährt. Das Aufsteigen der Con-junctur mit ihrer Nachfrage nach Kunstwerken seitens oft rechtroher und urtheilsloser Parvenüs ruft sie dann zur Palette undes beginnt jene characterlose Fabrikation von Dutzendbildern,,zu welcher sich leider auch Künstler mit besserem Namen her-gegeben haben. Die aussergewöhnlich günstige Conjunctur imletzten Jahrzehnt hat deutlich ihren demoralisirenden Einflussauf die deutsche Kunst gezeigt. Erst beim Rückgänge der-selben geriethen die Bilderfabrikanten ausser Thätigkeit undeine Zeit der ernsten Arbeit und der Selbsterkenntniss hatauch hier begonnen.
Bei einem solchen Bildungsgänge wird es erklärlich, dass