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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

liier wie allenthalben in Deutschland die Maler und Bildhauersich unverwendbar erweisen nicht nur für die Mode-, sondernauch für die Kunstindustrie. Sie können wohl barocke wiestylgerechte Muster machen, aber Muster schaffen im Geschmack,der eben Mode ist, in dieser Richtung erfinden und Weiter-arbeiten, können sie nicht; dazu fehlt es ihnen an den persön-lichen Eigenschaften wie an der Anregung an ihrem Wohnort.Vor allem aber haben sie nicht die technische Bildung, welchegerade auf dem Gebiete, auf welchem die Maler vorzugsweisethätig sein könnten, auf dem Gebiete des Flachornaments, inso hohem Grade erforderlich ist. Es ist der Versuch bekannt,den die königliche Porzellanmanufactur in Berlin mit einemKünstler gemacht hat, der vor allem befähigt ist, geistreichedecorative Arbeiten auszuführen. Für eine Vase und für einenSatz von Desserttellern entwarf derselbe die anmuthigstenCompositionen, aber trotzdem war das Endresultat ein unglück-liches. Diese Skizzen, welche in ihrer Hotten Behandlung aufMajolica von köstlicher Wirkung sein würden, sind für dasPorzellan zu wenig ausgeführt. Unter den Händen des Malers,welcher sie copirt, verwandelt sich der flott angedeutete Strichin eine unvollendet gebliebene Linie, der keck hingesetzteTon in einen unbehülflichen Farbenfleck. Auf dem blankenGrunde des Porzellans sieht alles verwaschen und trübe aus,was unter der verschmelzenden Glasur der Majolika glänzendund harmonisch erscheinen würde. J )

Soll denn Deutschland ewig in der Mode- wie in derKunstindustrie in Abhängigkeit von Paris bleiben? Mit demErstarken des nationalen Gefühls im letzten Jahrzehnt hatman diese Frage sich immer wieder vorgelegt, und währendjenseit des Oceans das vernichtende Urtheil über die gesammtedeutsche Industrie gesprochen wurde, zeigte die Kunstgewerbe-Ausstellung in München im Jahre 1876 erfreuliche Ansätzezur Selbständigkeit auf diesem Gebiete. Wie weit wird einesolche Selbständigkeit gehen können? Welchen Grenzen wirddieselbe begegnen? Das sind Fragen, über welche man sichklar werden muss, will man nicht in einen blinden Chauvinis-mus im Kunstgewerbe verfallen.

Existirt nicht im Mustermachen eine gewisse internationaleArbeitstheilung, und wo haben die verschiedenen Zweige des-selben ihren natürlichen Standort? Man kann es als Irincipaufstellen: je mehr die Industrie von der Mode und der feinerenTechnik abhängig ist, einen desto concentrirteren Sitz hat dasMusterzeichnen für dieselbe. Das grosse Gebiet der Modenempfängt von Paris aus seine international gültige Richtung;die Damenmäntel beherrschen von Berlin aus, die Ilerrenkleidervon London aus den Weltmarkt. Umgekehrt kennen die In-

l ) Lessing, a. a. 0. S. 207.