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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

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Finnen, von denen z. B. Gebhardt & Co. in Elberfeld mit vielEnergie eigene Wege einzusehlagen sich bestreben.

Aber überall am Rhein sind Fabrikant, Kaufmann undKünstler eine einzige Person, eine Arbeitstlieilung existirt inder Hauptsache nicht, während in Frankreich der Künstlerund der Commissionär in Paris, der Fabrikant in der Provinzganz getrennte Persönlichkeiten sind. Das ist von "weittragend-ster volkswirthschaftlicher und socialpolitischer, aber auch vongrosser kunstgewerblicher Bedeutung. Kurz gesagt: über diekünstlerische Seite der Industrie entscheidet in Frankreich derKünstler, in Deutschland der Kaufmann. Daher in Frankreichjener Geschmack und jene Grazie in allen Mode- und Kunst-erzeugnissen, in Deutschland jene Rathlosigkeit des dreiköpfigenIndustrieleiters, der schliesslich ohne eigne Gedanken undIdeen und meist ohne künstlerisches Verständniss selbst guteErfindungen einheimischer Künstler verstümmelt, um sie mög-lichst wohlfeil massenhaft herstellen zu können.

Zwei Mal hat man am Rhein den Versuch gemacht, selb-ständige Musterzeichner auszubilden; der erste Versuch mitder höheren Weheschule in Elberfeld r ) gehört der Vergangen-heit, der zweite mit der projectirten Webeacademie in Crefeldder Zukunft an. Die Misserfolge werden nach den bisherigenAusführungen keiner eingehenden Erklärung mehr bedürfen.

Die Entstehung sämmtlicher rheinischer Webeschulen fälltmit dem Aufschwung der gemusterten Stoffe überhaupt zu-sammen. wie derselbe im vorigen Abschnitt dargelegt wordenist. Damals genossen die angehenden Fabrikanten in noch vielhöherem Grade als heute eine rein kaufmännische Ausbildung;sie arbeiteten auf dem Comptoir, in der Wiegkammer, nahmendort von den Webern die Arbeit in Empfang und erhieltendadurch zwar einige Kenntniss von guter oder schlechter Waare,allein gründlich erlernten sie weder die Waarenkunde, vielweniger noch die Technik der Fabrikation, denn ihre Prin-cipale selbst hatten aus Mangel an Gelegenheit die practischeAusbildung sich nicht verschaffen können. Ebenso ungenügenderlernten die Weber ihr Handwerk; sie fanden beim Meistereinen vorgerichteten Stuhl und lernten in der Regel nichtsmehr als das gewöhnliche Schlichten, das Durchschiessen derSpulen und das Treten, und zwar alles rein mechanisch. Daherkonnte von zehn Webern kaum einer den Webstuhl richtigstellen und die Lage des Baumes richtig ordnen, und unterhundert Wehem war es kaum einer, der von vielschäftigerArbeit ein Muster auszuziehen verstand, die Passirung des

J ) Kgl. Regierung zu Düsseldorf: Acta betr. die Errichtung von Webe-scliulen. Täglicher Anzeiger für Berg und Mark vom 3. und 5. April 1853.

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