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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

uncl Sammlungen bieten ilnn Motive in Fülle, dort in derAllee de Longchamp, den Champs F.lysöes, den Boulevardsflanirt er einher, verweilt an den Schaufenstern und lässt imCafd sitzend die wogende Menschenmenge an sich vorüber-ziehen. Allenthalben siebt er die Anwendbarkeit seiner Ge-danken, - und hat er dann eine Woche lang sich umber-getrieben, so setzt er sich einen Tag lang hin und eine Reihevon Entwürfen bedecken das Papier. Der Lebensluft vonParis beraubt, ersticken die Modezeichner in fremder Atmo-sphäre. Die Musterzeichner, welche im Jahre 1848 brotlosund von den Engländern für ihre Fabriken engagirt wurden,erklärten nach wenig Jahren, nach Paris zurückgehen zumüssen, da sie in England nichts mehr erfinden könnten. 1 )Ebenso fiel dem Director der höheren Webeschule in Elber-feld. einem früher sehr tüchtigen Künstler in Paris, nach Ab-lauf eines Jahres kein einziges Muster mehr ein. Umgekehrtsind in zahlreichen Pariser Werkstätten die besten ArbeiterAusländer, Elsässer und Deutsche, welchen hier die Möglich-keit eröffnet ist, ihr Talent zu verwerthen.

Mit solchen kunstgewerblichen Anstalten zur Seite, derenMuster einen wirksamen Schutz gemessen, findet der Unter-nehmungsgeist der Fabrikanten und die althergebrachte Ge-schicklichkeit der Arbeiter in dem traditionellen Bedürfnissihres hochcultivirten Volkes nach geschmackvoller und sogarkünstlerisch durchgebildeter Einrichtung einen günstigen Bodenfür solche Mode- und Kunstindustrieen. Sie sind dadurch imStande, eine jede Modethorheit mit einer gewinnenden An-mutli und Sicherheit zu behandeln, so dass die groben Ver-irrungen, in welche ihre Nachahmer verfallen, dort nicht zuTage treten.

Daher kommt es, dass die französische Industrie in allenMode- und auch in vielen Kunstgewerben ein ^tatsächlichesMonopol besitzt, daher kommt es zugleich auch, dass die ge-sammte rheinische Industrie mit ihren gemusterten Stoffen undBändern, bedruckten Kattunen, Metall- und zum Tlieil auchStoffknöpfen, und früher den Broncewaaren in voller Abhängig-keit von Paris sich befindet. Die grösseren Fabrikanten haltensich die längste Zeit des Jahres dort auf und achten auf denUmschwung der Mode; die kleineren behelfen sich damit, dengrösseren die Muster nachzumachen, was ihnen in Folge desunzureichenden, schon eine Aehnlichkeit zulassenden Muster-schutzgesetzes gelingt, oder sie lassen sich Musterbücher ausParis kommen. Einzelne kleine Abänderungen werden vor-genommen und solche werden nur wesentlicher bei wenigen

1 ) Jul. Lessing: Das Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung.1873. S. 234, vergl. auch S. 232.