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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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eigne Ideen zn haben. Der gewerbliche Künstler, der sichdarauf beschranken wollte, die Zeichnungen Anderer zu um-schreiben, wäre nur ein Copist. Glaubt man dann ferner, dass,um in einem gewissen Style zu arbeiten, es genügt, die altenVorlagen zu studiren? Gewiss nicht, man muss eindringen indie Ideen, welche den Styl schufen; dann wird der Entwurfwahr und originell sein; Phantasie haben, erfinden, heisst nichtnur nachzeichnen. Und dabei muss der Künstler die Modebeobachten, sei es, um ihr zu folgen, sei es, um ihr zu wider-stehen ; er muss seinen Einfluss auf den Fabrikanten ausüben,ihn aneifern, und ohne ihm zu schaden, eine Allianz herbei-fiihren zwischen Geschmack und Mode.

Andererseits muss der Künstler die völligste Kenntnissüber alle Phasen der Fabrikation und über die Mittel seinerIndustrie haben. Ohne seihst ausführender Handwerker zusein, muss er die Technik kennen, die technische Durchführ-barkeit seiner Ideen und den Effect bei der Durchführung zubeurtheilen vermögen. Er muss sich hinsichtlich der Er-findungen auf dem Laufenden erhalten und wissen, in wiefernsie seine Entwürfe bereichern oder vereinfachen können. DerKünstler ist verhältnissmässig sehr beschränkt durch die Mit-tel, welche die Technik ihm darbietet; er kann nicht so dra-matische Effecte erzielen, wie ein Historien-, nicht so liebens-würdige wie ein Landschaftsmaler; wenn er trotzdem oft inbemerkenswerthem Masse Erfolge aufweist, so sind dieselbenum so verdienstvoller, je weniger gelehrig das Werkzeug ist,welches er zu handhaben gezwungen ist.

Die Rolle der gewerblichen Künstler ist eine ebensoschwierige wie bedeutende; in ihren Erzeugnissen, vervielfäl-tigt, durch die Industrie und von ihr hergerichtet für die täg-lichen Rediirfnisse, tragen sie die Elemente eines ästhetischenGeschmacks in die entferntesten Provinzen des Landes und indie wildesten Gegenden des Erdballs. Ihre Thätigkeit ist eineehrenvolle. Die grossen Maler der Renaissance verloren nichtsan ihrer Würde, als sie den gewerblichen UnternehmungenMuster lieferten, und der Ruf eines Benvenuto Cellini ist nichtallein der eines Ciseleurs, sondern überhaupt eines grossenKünstlers.

Zu den Erfordernissen der Person treten die des Ortes.Wo kann denn überhaupt der Gang der Mode und ihr Ent-stehen beobachtet werden? Doch nur in Paris! Hier ist dasreiche Publicum der Monde und Demi-Monde, das nicht nachdem Preise der Waare frügt, das nicht Sachen tragen will, dieschon in eine niedere Schicht der Gesellschaft gedrungen, hiereine Damenwelt, die auf der Jagd nach dem augenblicklichenGlück alles sucht, was neu, was wechselnd und was nur janicht langweilig ist. Der Quell der Anregung für einen Mode-zeichner ist unerschöpflich. Eicht nur die ernsten Museen

Forschungen ( 8 ) JL 3. Thun 2. 15