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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

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und äussert sich in allerlei Empfindlichkeiten. Der Fabrik-kaufmann ist der commerzielle Leiter der Production, er schafftdie Bestellungen, kauft die Garne und lässt dieselben nachvorgeschriebenen Mustern gegen Stücklohn zu Litzen undKordeln verarbeiten. Der Meister ist das ausführende Organ,der technische Leiter der Fabrikation und wird um so höflicherbehandelt, je grösser er ist,weil man ihn ja auch brauchenkann; der humanen Bildung und der socialen Stellung nachgehören sie zur Klasse der Handwerker. Gewöhnlich arbeitensie für vier bis fünf Kaufleute zu gleicher Zeit in der Hoffnung,dass wenn es dem einen an Bestellungen fehlt, der anderevielleicht welche erhalten hat.

Da in den 1860er Jahren die Löhne sehr gedrückt ge-wesen waren, schlossen im Jahre 1871 159 Meister mit 870Tischen sich zu einem Verbände zusammen, schossen 15 Markfür einen jeden Tisch ein, welche verzinst werden, und setztenin gemeinsamer Commissionsberathung mit dem Verein derFabrikanten von Bändern, Kordeln und Litzen, welcher etwa65 Mitglieder zählt, für die glatten Weftlitzen, einfache Stapel-artikel, bei denen das Lohndrücken ja besonders nahe liegt,eine Lohntaxe fest; wer unter derselben arbeitete, verlor dieeingeschossene Summe. Durch Vergleich wurden dann imJahre 1875 die Löhne für sogen. Herkulesse, 1876 für andereund 1878 für weitere Litzen herabgesetzt. Zwar behauptetman, dass die kleineren Meister, um überhaupt Arbeit zu er-halten, unter der Taxe arbeiteten und dass die dem Vereinnicht beigetretenen Meister, namentlich auf dem Lande, diesesganz offen thäten, dass auch einige Fabrikanten zwar denvollen Lohn berechneten, ihn aber mit einem Sconto auszahlten.Immerhin ist es diesem Einigungsamte gelungen, die ruinöseConcurrenz der Meister unter einander zu hemmen, währendder Fabrikantenverein durch Denkschriften das Streben, durchGewährung niedriger, oft sogar verlustbringender Preise denAbsatz zu forciren, entschieden verurtheilt.

Nicht so gütlich wie Fabrikanten und Meister haben sichdiese letzteren mit ihren Arbeitern verglichen; im Jahre 1873machten einzelne derselben einen Strike, mussten aber nach-geben. Während die Meister sich immer mehr zur Stellungvon Fabrikanten aufschwingen, sinken unter der Herrschaftdes Dampfes die Gesellen und Lehrlinge immer mehr zu reinenFabrikarbeitern herab. Etwa 8085% der Arbeiter sindHaspler und Tischwärter, welche vom vierzehnten Jahre ab indrei Monaten angelernt werden können; völlig verwendbarwerden sie erst in sechs Monaten. Ihre Arbeiten fallen immermehr Mädchen und Frauen zu, und obgleich diese im erstenJahreLehrmädchen genannt werden, besteht ein eigentlichesLehrverhältniss nicht. Die tüchtig geschulten Arbeiter sinddie Meister, welche drei bis vier Jahre zur Ausbildung brauchen;

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