Druckschrift 
2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

II. 3.

201

gemacht werden, sind zweierlei Art: einfache glatte, baum-wollene, wollene, mit Halbseide gemischte und leinene, dannauch gemusterte Bänder. Es sind die letzteren keineswegspremieres et hautes nouveautes, auch nicht aus theuren Stoffenwie Seide, vielmehr beschränkt sich die Barmer Industrie nurauf eine Popularisirung der französischen Bänder. Was Parisund St. Etienne an seidenen Modebändern vormachen, machtBarmen in billigerem Material nach, zuerst in Halbwolle, Wolle,endlich auch in Baumwolle. Es bringt die Mode in die Masse,weder als Neuheit, noch in technischer Vollendung, aber inseinen mittleren Modeartikeln steht es hoch. Ist der Ton vonder Mode einmal angegeben, so werden entweder die fran-zösischen Muster einfach nachgeahmt, oder sie werden denPariser Musterbüchern entnommen, oder die Fabrikanten ver-stellen ein wenig die gegebenen Muster; nur einzelne gestattensich den Luxus eigener Ideen.

In früheren Zeiten machten die Eabrikanten das Com-missionsgeschäft. Wenn die Kaufleute Bestellungen erhielten,gingen sie von Fabrikant zu Fabrikant und suchten die Preiseauf das vorgelegte Muster zu drücken, so dass oft derjenigeFabrikant, welcher das neue Muster erfunden hatte, nichteinmal die Bestellung erhielt, sondern fremde Concurrentenseine .Muster ausführten. Je mehr die Modeartikel aufkamen,desto weniger wollten die Fabrikanten ihre Muster den Com-missionären vorlegen und desto weniger konnten sie den lang-samen Vertrieb ertragen; daher nahmen die Fabrikanten, umdie Provision zu ersparen, den Absatz selbst in die Hand. ImFrühling und Herbst fertigen sie für die Sommer-und Winter-saison neue Muster an und schicken sie mit den Preiscourantenin die Welt oder sie reisen selbst; dann werden auf die einge-gangenen Bestellungen hin die Arbeiten begonnen, denn beiden meisten gemusterten Artikeln lässt sich ja nicht auf Lagerarbeiten. In ihrem Geschäfte erweisen sich die Fabrikantenausserordentlich geschickt; sie greifen mit Erfolg jede neue Modeauf und sind durch die Vereinigung von Fabrikant und Kaufmannin einer Person vielleicht den Franzosen überlegen. Kaum hataber ein Fabrikant ein neues Muster aufgebracht, so setzt sichgleich die ganze Schaar der Concurrenten in Bewegung, lässtdas Muster abgucken und macht es nach. Das Deponiren des-selbe nnutzt nichts, da die Sachverständigen auch die kleinste Ab-weichung als neues Muster anerkennen und daher bisher ein jederDeponent seinen Process verloren hat. Diese innere Concurrenz,verbunden mit dem äussern Drucke auf die Preise hat nunnicht wie in Paris zur Folge, dass der Fabrikant, wenn erseine Qualität und seine Preise nicht mehr einhalten kann,gleich andere nouveautös aufbringt, um durch den Reichthumseiner Ideen zu verdienen, vielmehr fügt sich der Fabrikantin Barmen jeder Preisreduction, verbilligt die Fabrikation und