II. 3.
197
gegen die billigere sächsische und schlesische Landindustrienicht mehr zu halten.
In der Mitte unseres Jahrhunderts schliesst die Epochedes Handbetriebes und die Flucht der Industrieen wird zumStillstand gebracht durch die Einführung des maschinellenFabrikbetriebes, welcher heute schon den Typus Elberfeldsund der benachbarten Ortschaften bestimmt. Gegenwärtigwerden dort wollene Streich- und Kammgarn-, Möbel- undWagenstolle, Tischdecken, allerlei gemischte Gewebe und vorallem Zanella gewebt, welches 1867 mehr als 1200, 1869: 3000und 1870: 6000 Kraftstühle beschäftigte. Dieser verhältniss-mässig einfache Artikel ist nur dadurch haltbar, dass dieKaufleute ausserordentlich geschäftsgewandt sind und dieIntensität der Arbeitsleistung derart gesteigert ist, dass eineArbeiterin oft drei bis vier Kraftstühle beaufsichtigt.
Nicht am geringsten tragen dazu aber auch die beidenStückfärbereien und Appreturanstalten bei, welche nicht nurfür die Webereien des Thaies, sondern auch für die des Aus-landes Aufträge gegen Lohn ausführen. Diese Stückfärbersind analog den Garnfärbern lohnarbeitende Unternehmer, nurdass ihre Etablissements ganz grossartig sind, dass eine inBarmen z. B. mit 25 Dampfkesseln und 230 Arbeitern einge-richtet ist. Die letztere Fabrik hat sich aus kleinen Anfängenstetig emporgearbeitet; anfangs machte sie 60, im zweitenJahre 100, gegenwärtig 600 Stück täglich, und aus Oestreichkommen 30000 Stück jährlich zur Veredlung nach Barmen.Wie in allen Färbereien, so herrschte auch hier die Tageslöhnung,seit fünf Jahren aber wurde die Stücklöhnung eingeführt undseitdem leisten die Maschinen das Doppelte. Die beiden Con-currenten haben unter einander die Preise verabredet und sichin die Kunden getheilt, so dass diese beiden Riesen-Lohn-arbeiter die einzigen im Thale sind, welche ihre früherenStücklöhne aufrecht zu halten im Stande sind, zum grossenAerger der Webereibesitzei-, welche sie gern als lohnarbeitendeHandwerksmeister behandeln möchten.
Eine ganz andere Stellung nimmt die Kattun-Färberei undDruckerei von Schlieper ein, die grossartigste Unternehmungim Thale und in ihrer Branche sogar auf dem Continent.Analog den Türkischrothfärbern kauft sie rohe Kattune ein,färbt und bedruckt und verkauft sie dann nach ganz Europa.Vor 25 Jahren mit 4 Walzen begonnen, zählt die Fabrik gegen-wärtig 25; 32 Dampfmaschinen sind in der Unternehmungthätig, die zwei grosse Etablissements beschäftigt, davon daseine ältere in Elberfeld, das andere seit dem trockenen Sommer1859 oberhalb Barmens an der Wupper, wo sämmtliche nassenOperationen vorgenommen werden. Dank der hohen Bildung,Intelligenz und Energie der Leiter hat ihre Unternehmungsogar Mühlhausen im Eisass überflügelt. Die Associes haben