192
II. 3.
und den Verbesserungen in deren Anfertigung bekannt undführte dieselben auch in Elberfeld ein. Die Jacquardmaschinewar schon im Jahre 1818 bekannt und verbreitete sich seit1821 allgemein, als der Minister einen Stuhl dahin schickte,um ihn Jedem unentgeltlich zu zeigen. Es wuchs die Zahl derArbeiter, immer mehr wurden die Ilülfsgewerbe an die Comp-toire herangezogen, die Fabrikationsspesen vermehrten sich unddamit auch die Gewinne.
Die Concurrenz in den alteren, sehr gangbaren Stapel-artikeln, deren Herstellung mit nicht viel Schwierigkeiten ver-bunden war und wozu die aus der früheren Generation über-nommenen, gut geschulten 1 Hilfsarbeiter ausreichten, wuchsnun, die Gewinne wurden kleiner, die Weberei der glattenStoffe wanderte in ferne Eactoreien auf dem linken Rheinuferund in Westphalen. In der Stadt sah man sich nach lucra-tiveren Artikeln um; das waren die Luxusartikel. meist derfranzösischen Fabrikation entlehnt; Ausländer wurden herbei-geholt und eine Webeschule im Jahre 1845 in grossem M.ass-stabe gegründet, zu welcher im Jahre 1850 eine Fabrikmeister-Zeichenschule, später eine Abtheilung für Färberei und Druckereihinzutrat. Andererseits suchte man die glatten Stoffe gleichfallsin der Fähe zu behalten, indem im Jahre 1852 die erstemechanische Seidenweberei gegründet wurde. Die Blüthezeitder Seidenweberei fällt in die Mitte des Jahrhunderts; damalswar sie die hervorragendste Industrie im Tliale. Nach einerlandräthlichen Uebersicht gingen im Kreise Elberfeld 1810:1541, 1842: 5200 Webstühle auf Seide und Halbseide gegen945 und 1275 Stühle auf Baumwolle und Halbbaumwolle inden gleichen Jahren. Die Verkehrsmittel in dieser Epochewaren bedeutend erweitert; man brachte jetzt nicht mehr dieWaaren allein auf die Messen oder Stapelplätze in den Handel,man verkaufte schon nach Mustern auf Lieferung und suchtedie Kunden direct auf; die Reisenden besuchten die entfern-testen Länder. Der grössere Reichthum der Fabrikanten er-laubte ihnen, auf Ziel zu verkaufen, sie überboten einanderund creditirten auf immer längere Zeit. Um das Geschäftmit ferneren Ländern anzubahnen, wurde ebenso durch Credit-geben operirt; man machte Theilsendungen dahin oder Aus-sendungen ganz auf eigne Rechnung. So wurden die Geschäftevergrössert, ihre Führung aber immer mehr erschwert. DasRisico beim Verkauf, die Spesen der Fabrikation und des Ab-satzes, die Zinsen für Rohstoffe und Waarenlager, durch notli-wendig gewordene Banquier-Credite wuchsen unversehens, sodass die kleineren und ärmeren Fabrikanten abtreten mussten.
Die gegenwärtige Generation war mit diesen Ueberliefe-rungen in die Thätigkeit gekommen, die Arbeit war so gehäuit,dass mehrere Associes sich in die Fabrikation, den Absatz undden Einkauf der Rohstoffe theilten. Da begann der Rückgang