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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

Elberfelder und Barmer Kaufleute, natürlich nicht alle imThale, beschäftigt gewesen sein; ausserdem zählte man auf100 Bleichereien 600 Arbeiter, dann 200 Färber mit ihrenKnechten, 500 Fabrikbediente und 600 Florettspinner undWirker. Das Baumwollengarn wurde anfangs aus fremdenLändern bezogen und noch im Jahre 1736 kannte man in derGegend von Wipperfürth, Wermelskirchen und Steinbach dasI Spinnrad noch nicht. Um das erste zu sehen, reisten die Land-leute drei Stunden weit; im Jahre 1792 aber waren daselbst7244 Personen. darunter Greise und Kinder von acht Jahrenab, mit der Spinnerei beschäftigt und verarbeiteten etwa600000 Pfund rohe Baumwolle. ] ) Die Unternehmer (Vor-spinner) kauften die Baumwolle in Holland ein, theilten sieunter die Spinner aus und verkauften die Garne. Als danndie im Jahre 1767 in England erfundene Vorspinnmaschine indiesem Lande allgemein wurde, nahm die Spinnerei dort einengrossen Aufschwung und die Garne wurden fast alle aus Eng-land bezogen. In Deutschland richtete der CommerzienrathBrögelmann aus Elberfeld die erste mechanische Spinnerei mitWasserkraft in Cromford im Jahre 1783 ein. Die Anzahl derfür das Thal beschäftigten Webstühle stieg auf 3500 und 4000in den Jahren 1774 und 1780. und immer feinere Stoffe wieNanking, Nankinett, feine Taschentücher und Aehnliches wur-den eingeführt.

Eine glänzende Zeit begann mit der französischen Ttevo-lution. * 2 ) Diese bewaffnete das Volk, die französischen Fa-briken hatten keine Arbeiter und so hol) sich dort die, Nachfrage nach fremden Producten. Den deutschen Fabriken| fehlte es nun nicht an Absatz, sondern an Waaren. Englandlieferte das Garn, die deutschen Webereien dehnten sicli ausser-ordentlich aus und fanden bei den niedrigen Zöllen in Frank-reich und Italien so reissenden Absatz, dass sie den Verlustdes indischen Marktes bald verschmerzten. Die Jahre 17891806 bezeichnen den Höhepunkt der neuen Baumwollindustrie. 3 )_^J)ie Weblöhne stiegen beträchtlich, die alten westindischenLeinen- und Baumwollenzeuge konnten sie nicht mehr tragenund wurden daher auf das linke Jfheinufer mit seinen wohl-

0 Wiebeking: Beiträge zur Churpfälzischen Staatengeschichte. 1793.S. 18. An den 1950 Ballen roher Baumwolle zu 300 bis 350 Pfund ver-dienten die Spinner 157255 Thaler Lohn, die Fuhrleute 6968 Thaler unddie Vorspinner (Unternehmer) hatten 30895 Thaler Nutzen.

2 ) Ebendaselbst Acta 19. Vorträge vom 23. August und 11. Octoher1803. Goecke: Grossherz. Berg. 1877. Köln. S. 77. Elberfeld undBarmen, a. a. 0. S. 282.

3 ) Der Maire von Uemscheid, Diederichs, gibt im Jahre 1809 an, dassfür Elberfeld und Barmen 7600 Webstühle auf Siamosen und Doppelsteingingen und etwa 19 Mill. Ellen jährlich herstellten; viele Stühle standenum Lennep, Ronsdorf, Rade vorm Wald. Wipperfürth u. s. w. (Ueber denStand der Wupperthaler Industrie im Jahre 1 b09 vergl. Anlage VII.)