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I. 3.
Herzogthums empfahlen in ihrer Adresse vom 5. Februar 1783zwei Petitionen der Zunft. Das bekam ihnen aber schlecht.Höchst ungnädig über das „sonderbare Benehmen, welches alseine Zuneigung zu einem Theile, nicht als eine unbefangeneErwägung erscheine“, bemerkte der Churfürst Carl Theodor,dass die getreuen Stände auf die einseitige Darstellung derWeber das alleinige Vertrauen setzten, ohne den Handels- undFabrikantenstand gehört zu haben, dass sie alten Missbrauchendas Wort redeten und mit Unrecht behaupteten, nicht derHandels-, sondern der Weberstand sei der vorzüglichere; viel-mehr könnten die Kaufleute selbst Handwerker ins Landziehen und dieses vermöchte auch ohne Weber reich zu sein.
Diese Antwort trug natürlich nichts zur Beruhigung bei.In der Mitte des Februar und März fanden erneute Unruhenstatt und besonders den Vicekanzler traf der ganze Hass desVolkes; 497 Meister erklärten lieber ausserhalb einer jedenZunft bleiben zu wollen. Militär wurde abgesendet und derVicekanzler in einem huldvollen Rescripte aller Schuld frei-gesprochen. Die Kaufleute benutzten die Gelegenheit unddrängten auf die Aufhebung der gefährlichen Organisation ihrerGegner. Ihnen schloss sich der Vicekanzler an: wo keineZünfte existirten, da strebte ein jedes Handwerk sich zu ver-edeln und die Pfuscher verlören sich aus Nahrungsmangel vonselbst; das sähe man an den Färbern, Wirkern, auch an denTausenden von Webern, welche für Elberfeld und Barmen inden Aemtern Mettmann und Angermund, in München-Gladbach,Brüggen, Rlievdt und in der Mark arbeiteten; die Missbrauchein der Leineweberzunft wären gross und fast unmöglich zu be-seitigen ; bessere Arbeiter wollten sich dem Zwange nicht unter-werfen.
Diese Betrachtungen siegten. Am 5. December 1783wurde die Leineweberzunft aufgehoben, ein Jeder sollte frei seinHandwerk betreiben und bei 25 Thaler Strafe wurde denWirthen verboten, Zunftversammlungen zu dulden. So wurdeder „ekelhafte Zunftzwang“ beseitigt. Die Garnnahrung trium-phirte über ihren Gegner, doch lange überlebte sie ihn nicht. —
Die Leineweberzunft musste untergehen, weil die Leine-weberei aus dem Wupperthale verdrängt wurde. Die Löhnedieser einfachen Arbeit sanken unter dem Drucke der länd-lichen Concurrenz und die Waare selbst, die altberühmtenElberfelder Bonten oder Doppelsteine, wurden ersetzt durchrein baumwollne Zeuge, Siamosen genannt, welche die Sklavenauf den Plantagen zu tragen begannen. Seit dem Hubertus-burger Frieden datirte die glänzende Entwicklung dieser neuenIndustrie, und schon am 26. März 1767 sollen 1500 Webstühleauf Siamosen mit 18000 Spinnern, Spulern, Webern u. s. w.,2000 Webstühle auf Leinenzeug für den ostindischen Exportmit 8000 Arbeitern, 2000 Bandstühle mit 6000 Arbeitern für