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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

Leineweberei einen anderen Standort mit billigeren Löhnen auf-suchen musste. Wenn nun der Meister schon w T enig erwarb, ver-diente der Geselle noch weniger und war gezwungen, sich alsMeister zu etabliren, um selbst den vollen Weblohn zu be-ziehen. Ein solches Untergehen des Gesellenstandes und einEntstehen von Einzelmeistern tritt unvermeidlich beim Inten-siver-werden der Industrie ein. Dadurch erwuchs aber einedrückende Concurrenz kleiner Meister, welche nicht im Standewaren, das Eintrittsgeld zu zahlen, und daher als sogenannteSchuldmeister lebten. Um sich dieser zu erwehren, wurdenim Jahre 1776 die Bedingungen des Meisterwerdens erneuertund verschärft.

Das war der letzte Schlag im brudermörderischen Zwisteder lohnarbeitenden Classen unter einander. Von 300 Meisternim Jahre 1740 hatte sich bis 1781 die Zahl auf 10001100vermehrt (genauer 462 in der Stadt, 377 im Amte Elberfeld,143 in Barmen); die Zahl der Gesellen mag die gleiche ge-wesen sein, wovon etwa 400 fremde waren; die Menge derSpuler, Kettenscherer u. s. w. stand ausserhalb der Zunft.Die Weber arbeiteten kunstreich alle Muster und trugen beijedem neuen die Kosten der Vorrichtung, wobei sie bis zu20 und 30 Thaler Auslagen hatten, welche sie bei dem häufigenWechsel der Muster oftmals nicht wieder einbrachten. Ihnengegenüber standen' als Arbeitgeber etwa 100 Kaufleute, welchedas Garn um Lohn verarbeiten, d. h. bleichen und zwirnen,weben und wirken liessen. Früher geschah das Alles ausserHause; die Garnmacher besassen nur ein Comptoir. Mit derAusdehnung ihres Handels wuchs ihr Capital und sie begannendasselbe auch in der Fabrikation werbend anzulegen. Zunächstliessen sie das Kettenscheren und die anderen Vorarbeitenvon Lohnarbeitern in ihren Werkstätten vornehmen; an dasComptoir schliessen sich die Ansätze der Manufactur. Dadurchwurden nun die Leinewebermeister von allen Hülfsgewerbenentlastet, sie wurden zu reinen Webern, konnten die Gesellenum so leichter entbehren und diese vermochten sich als Einzel-meister zu halten. Früher gab es im Meisterstande verschie-dene Abstufungen, die grösseren vermochten sich an den Ge-sellen und Lehrlingen schadlos zu halten und Ersparnisse ander Fabrikation zu machen; jetzt waren alle Weber auf dasgleiche Niveau von Kleinmeistern hinabgedrückt und der In-teressengegensatz zwischen ihnen und den Kaufleuten trat inganzer Nacktheit hervor. Die Stellung der Weber verschlech-terte sich fortdauernd, indem ihre innere Concurrenz durch denZuzug fremder Arbeiter vergrössert wurde und die Leineweberei,einer wirthschaftlichen Notwendigkeit folgend, das Wupper-thal zu räumen aniing. Blind gegen die Uebermacht dieserwirthschaftlichen Entwicklung, nahm die Zunft einen Kampfauf, welcher mit ihrer Vernichtung endete.