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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

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zuerst zu Tage. In Folge der Erschwerung einer selbständigenEtablirung namentlich, für Fremde, überflügelten die grossenWerkstätten, in denen neben der Weberei ja auch andere Vor-arbeiten stattfanden, sehr bald die der ärmeren Genossen; sieerwarben mehr und zogen immer mehr Gesellen an sich. DasMittel hiezu war weniger der Lohn; derselbe betrug die Hälftedes Meisterlohnes, wovon der Geselle noch das Kettenscherenund die übrigen Vor- und Nebenarbeiten selbst zu bezahlenhatte. Das Hauptlockmittel bei der damaligen Naturalwirth-schaft war vielmehr eine bessere Wohnung und Beköstigung.Hierüber beginnt der Kampf der ärmeren Meister gegen diereicheren und deren Gesellen in ganz kleinlicher Weise.

Die erste Frage, welche die Zunft bewegte, war dieSuppen- und Kaffeefrage. Auf Bitten der Zunft im Jahre 1754wurde durch eine churfürstliche Verordnung bei 12 GoldguldenStrafe verboten, den Gesellen Abends warme Speisen vorzu-setzen und ihnen Kaffee und Thee zu reichen; auch musstensie mindestens ein halbes Jahr bei demselben Meister bleiben. Dajedoch die reicheren Meister fortfuhren, die Gesellen an ihrerLebensweise theilnelnnen zu lassen, und immer mehrere ansich zogen, so setzte die Zunft am 11. Mai 1754 einen chur-fürstlich sanctionirten Speisezettel für das Mittagsmahl durch:nicht kalte magere und eingebrockte Milch, sondern ein Ge-müse und in Ermangelung dessen eine warme Schüssel Erbsen,Bohnen, Gerstenbrei, Suppe u. s. w. Ferner wurde eine vier-zehntägige Probezeit beim Dienstantritt für beide Theile ver-ordnet, dasBrutalisiren verboten, die Schwelgerei undSchwärmerei der Gesellen untersagt und ihnen gleich denLehrlingen auferlegt um acht bezw. neun Uhr Abends nachHause zu kommen; sie durften jedoch nicht mit dem Herbei-bringen von Victualien von entfernten Orten beschwert werden.Die Controlle über die reicher besetzte Tafel der grösserenMeister erwies sich aber als so schwierig, dass die ärmeren ver-zichten mussten, durch eine Warme - Speisen-Sperre ihrenglücklicheren Concurrenten die Arbeiter zu entziehen; resignirtbat schon nach zwei Jahren die Zunft um Wiederherstellungder Speisefreiheit. Im Jahre 1774 wurde diesen Zänkereienmit der Erlaubniss ein Ende gemacht, dass die Gesellen sichselbst Abends ihre Nahrung herbeischaffen dürften.

Solche kleinliche Chicanen hatten die natürliche Folge,dass die Gesellen nach Möglichkeit die unerquicklichen Arbeits-verhältnisse zu lösen suchten und sich selbständig etablirten.Dieses Streben wurde begünstigt durch den Fortschritt derIndustrie. Die Leineweberei gehörte einer extensiven Stufe anund es kamen schon feiner gemusterte Stoffe, baumwollne undwollne, namentlich aber seidene Gewebe im Thale zur Ver-arbeitung. Die Leineweber standen nicht mehr als erste aufdem Plan und ihr Lohn konnte nicht mehr steigen, weil die