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Industrie beruht immer mehr auf dem Speculationsgeiste derGarnhändler, welche in grossartigem Massstabe den Ver-edlungsprocess und das Exportgeschäft betreiben, wobei ihneneine von Jahr zu Jahr wachsende Concurrenz allenthalben ent-gegentritt, so dass ihnen mancher früher bedeutende Absatz-markt nach und nach fast ganz verloren gegangen ist.
II. Die Weberei.
Der erfolgreiche Handel mit gebleichtem und gezwirntemFlachsgarn veranlasste die Kaufleute, dasselbe auch am Orteselbst zu Leinwand und Lind (Band) verweben zu lassen.Schon am Anfänge des XVIII. Jahrhunderts war diese Industriefür das Thal von Bedeutung; die Elberfelder Bonten oderDoppelsteine, blau und weissgewürfelte Zeuge zur Bekleidungvon Sklaven, waren ein Hauptartikel. Die Leinweber warenhausindustrielle Lohnarbeiter, ihre Werkstätten jedoch von be-trächtlichem Umfange, da auch einige Nebenarbeiten, wie Win-den, Kettenscheren, Spulen u. s. w., in denselben stattfanden.Diese Lohnarbeiterschaft befand sich in guter Lage, sie bildetedie grösste und compacteste Masse im Thale und fand ihreOrganisation in der Leineweberzunft, deren Privilegium 1 ) am26. Mai 1743 bestätigt wurde.
Um Meister in der Zunft zu werden, musste man dreiJahre gelernt oder als Fremder drei und als Bürger- oderMeistersohn zwei Jahre als Knecht gearbeitet haben. Fernermusste man ein Meisterstück vorweisen, bestehend in einem StückZiechen und Doppelstein, seine eheliche Geburt beweisen, dasBürgerrecht erlangen und als Fremder 12, als Meistersohn6 Thaler an die Kasse und 40 Stüber an jeden Amtsmeisterentrichten; Tractamente waren bei dieser Gelegenheit unter-sagt. Die Lehrlinge mussten christlich-ehelicher Geburt sein,und einen Thaler Einschreibegeld und einen Schilling jedemAmtsmeister entrichten. Sie mussten im Winter um acht, imSommer um neun Uhr zu Hause sein und durften keinen blauenMontag machen. Ausser seinen Töchtern durfte kein Meisterein Weib im Weben unterrichten und dieselben nicht für Lohnauf seinen Stühlen arbeiten lassen mit Ausnahme der Wenigen,welche vor Errichtung der Zunft für Knechtslohn gearbeitethatten. Um den Weblohn hoch zu halten, wurde auch ver-boten, Lehrlinge um halben Lohn anzunehmen; auch durftekein neuer Lehrling vom Meister eingestellt werden, bevor
D Düss. Staatsarchiv, a. a. 0. Acta 27. convolut I. — EbendaselbstA. 31. Manusc. Plönnies: Topographia Pucatus Montiumani.