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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

Jahre 1855 eine unausgesetzt schwungvolle Ausfuhr, und über1000 Gesellen legten die Arbeit nieder. Dabei fanden tumul-tuarische Auftritte statt, so dass acht verhaftet, aber nur einerauf ein Jahr Gefängniss verurtheilt wurde. Nach zwei Jahrenunternahmen 839 Gesellen und 13 Lehrlinge wieder einen Strikeund feierten zehn Tage lang, ohne irgend einen Excess sich zuSchulden kommen zu lassen. Zwar wurden auch diesmal achtAnführer auf zehn Tage eingesteckt, indess die Färber erreichtendoch ihre Lohnerhöhung. Dieser Strike und derjenige derNagelschmiede in Kronenberg 1864 sollen die einzigen gewesensein, welche im hergischen Lande vor Ertheilung derCoalitionsfreiheit erfolgreich waren. 1 ) Als im Jahre 1868 dieIndustrie wieder einen lebhaften Aufschwung nahm, legten dieFärber abermals die Arbeit nieder und harrten sechs Wochenlang aus, ohne jedoch einen Erfolg zu erzielen; nach grossenVerlusten auf beiden Seiten nahmen sie die Arbeit wieder auf.

Die Lohnsteigerungen im letzten Jahrzehnt hatten zunächstdie Einführung der früher für unmöglich gehaltenen Stück-löhnung zur Folge, wodurch die Arbeitsintensität und das Ver-dienst "erhöht, die Controlle der Leistungen aber erschwertwurde. Ferner gestattete die Vereinfachung des technischenVerfahrens die Anwendung von Arbeitern, die in einem Monatangelernt werden konnten. So zählte die Unternehmung vonD. & Co. in Elberfeld im Jahre 1877 nur ein Zehntel gelernterArbeiter unter den ihrigen; diese werden in der Fabrik, seihstaiisgebildet, indem förmliche Lehrlingsverträge mit ihnen ge-schlossen werden; die über 16 Jahre alten Jungen verpflichtensich auf 2, die über 18 Jahre auf 1 1 / 2 Jahre; im ersten Fallerhalten sie 9, im zweiten 1215 Mark Wochenlohn. Aehn-liclie Verhältnisse scheinen die herrschenden zu sein; einigeFabriken zahlen den Lehrlingen geringeren Lohn, dafür abereine Prämie von 60 Mark für jedes Lehrjahr, um sie vomVertragsbruch abzuhalten. Von den weiblichen Arbeitern sind45 °/ 0 Fitz- und Legemädchen, welche in 612 Monaten ohneförmlichen Lehrvertrag angelernt werden. 2 )

Durch die Vereinfachung der Technik, die Einführung der Ar-beitsmaschinen und die Verwendung der Alizarin-und Anilinfarbenan Stelle des Krapps, und durch die damit zusammenhängendeverstärkte Anwendung von ungelernten Kräften, schwindet derVorsprung, welchen die Wupperthaler Türkischrothfärber vorden fremden gehabt haben; die Handfertigkeit, welche vomVater auf den Sohn sich vererbend einen hohen Grad der Aus-bildung erreicht hatte, ist von keiner Bedeutung mehr. Die

1 ) Königl. Regierung zu Düsseldorf. Acta I, III.J. 4. Bericht desReg.-Ass. Bossart vom 5. Mai 1865.

-) Ebendaselbst. I. III, 5. 5't,. Berichte des Oberbürgermeisters von Elber-feld vom 20. Juni 1877 und des Fabrikinspectors vom 16. Juli 1877.