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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

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sank. Die Garnmeister schlugen daher im Jahre 1800 eineVerfügung gegen die Missstände vor, welche auch erlassenwurde, aber an dem Widerstande der Kaufleute und denSchwierigkeiten der Durchführung scheiterte.

In unserem Jahrhundert hat die Garnfärberei in ihrenbeiden Branchen der Lohnfärberei und der Türkisehrothfärbereieinen grossen Aufschwung genommen und mag gegenwärtigwohl gegen 2000 Arbeiter beschäftigen. Der ältere Zweig istdie Lohnfärberei, noch heute ein hausindustriell organisirtesHülfsgewerbe, in welchem Baumwolle, Wolle und Seide für dieBedürfnisse der Weberei, Wirkerei und Flechterei gegen Lohngefärbt werden. Die Meister sind mittelgrosse Unternehmer,ebenso wie die Seidenfärber in Crefeld, in guten Verhältnissen,welche den Fabrikanten gegenüber die Löhne halten und sichauch nach der Krisis nicht haben drücken lassen.

Die Türkisehrothfärberei ist eine selbständige Industrie.An der Spitze stehen Kaufleute, welche das Garn so billig alsmöglich aufkaufen, es durch die Färberei veredeln und dannauf eigenes Risico verhandeln. Es ist dies in der Hauptsacheein Speculationsgesehäft, in hohem Grade Conjuncturen unter-worfen; sehr bald kamen die Kaufleute darauf, zu bessererAusnutzung momentaner Chancen und zur Verbesserung derTechnik eigene Anstalten zu errichten. Die herrschende Be-triebsform war die Manufactur, die Technik war eine mehrhandwerksmässige. Im Sommer wie im Winter standen dieFärber in der Wupper und spülten die Garnstränge mit ihrenrothen Händen. Die äussere Kälte und Nässe suchten siedurch innere Nässe zu lindern, sie führten die Branntweinflascheimmer bei sich, jeder Färber war ein geborener Trinker; sohatte es sich fortgeerbt von Geschlecht zu Geschlecht, so for-derte es das Handwerk. In der Neuzeit hat sich die Technikgeändert, einmal durch die Anwendung von Arbeitsmaschinen,dann durch die Ersetzung des Krapps durch Alizarin- undAnilinfarben. Das macht das fortwährende weitläufige Beizenund Waschen im Freien überflüssig, die Färber sind ganz indie Fabrik hineingewiesen und zu reinen Fabrikarbeitern ge-worden; ihr Kopf bewegt sich nun in einer stets von warmenWasserdämpfen geschwängerten Luft, die Füsse stehen aufkalten, nassen Steinplatten.

Mit dem Uebergange vom hausindustriellen zum Manu-facturbetriebe änderte sich die socialöconomisehe Stellung derLohnarbeiter; das Mittelglied der unternehmenden Meister fielheraus und ein einheitlicher Stand gleichgestellter Gesellenbildete sich; es begannen die Lohnstreitigkeiten dieser mit denFabrikanten, die von den ersteren mit um so grösserem Nach-druck geführt wurden, als sie tüchtige und gelernte Arbeiterwaren. In den Jahren 185155 hatte die Rothfärberei einenschleppenden Gang, die Löhne standen niedrig; da kam im

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