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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

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Vorrang, nur berathen und seine Kasse verwalten durfte jederOrt getrennt, Beschlüsse konnten aber nur gemeinsam gefasstwerden. Somit war Barmen aus Rücksichten der Etiquette.welche bei dieser jüngeren, aufstrebenden Schwesterstadt eineerstaunlich grosse Rolle spielen, gegen mehrere Bestimmungender Garnnahrung. Ja selbst das Monopol war für dasselbevon nur untergeordneter Bedeutung, weil seine Industrie vielweniger mit der Herstellung als mit der Verarbeitung derGarne zu Bändern, Kordeln und Litzen beschäftigt war.Barmen sprach sich daher bei jeder Gelegenheit gegen dasMonopol aus.

Hie jährlich angeordnete Controlle war zu einer lächerlichenForm geworden. Im Anfänge des Julimonats gingen die Garn-meister mit den Beamten über die Bleichen, sie forderten dieBleichzettel und schrieben den Kamen der Burschen auf, welchenoch nicht den Eid geschworen hatten. Das wurde insLächerliche getrieben und galt nur als Vorbereitung zu einemSchmause.

Als in den Jahren 1803 und 1804 die Aufhebung sämmt-licher Privilegien verhandelt wurde, zeigte Elberfeld sich bereit,einen Theil seines Vorrechts aufzugehen: es sollten fortan auchsämmtliche andere bergische Fabrikanten im Thale bleichenlassen dürfen. Der andere Theil des Monopols, dass lediglichin Elberfeld und Bannen gebleicht werden dürfte, sollte be-stehen bleiben, ebenso die corporative Verfassung der Kaufleute,mit dem Institut der Garnmeister, letztere schon aus Rück-sichten auf Frankreich, wo kein Gut eingehen durfte, das nichtvom prüsident du corps de commerce dElberfeld gezeichnetwar. Als dann das Grossherzogthum Berg dem französischenKaiserreiche einverleibt wurde, war nicht daran zu denken,einem einzelnen Departement ein solches Monopol vorzubehaltenund im Jahre 1810 wurde es beseitigt. Inzwischen war dieganze Frage schon gegenstandslos geworden; die Rasenbleichenin der Mark, Hannover und Braunschweig waren bedeutendbilliger; nach 1815 gab es im Thale keine Bleichplätze mehr,nur Wiesen und Gärten; wo eine Bleiche nothwendig war,stand sie mit der Färberei in Verbindung und war einechemische.

Die Verfassung der Garnnahrung hat dem Thale grossenSegen gebracht. Die Entwicklung der Industrie und die Zu-nahme der Bevölkerung ist beschleunigt worden, die Preiseder Garne wurden auf einer gewissen Höhe erhalten und da-durch die Gewinne und der Wohlstand gehoben. Dazu kam, dassdie Industrie bei steigenden Conjuncturen arbeitete. Ferner(und das scheint mir für das Verständniss der damaligenwirthschaftlichen und socialen Zustände wesentlich zu sein)hatte sich ein Stand von reichen Kaufherren ausgebildet, welchebereits so machtvoll waren, dass sie die Concurrenz von kleinen