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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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H. 3.

Meister. Sehr häufig nehmen diese dort auf ein paar JahreDienste, um die feinere Wirthschaft gründlich zu erlernen undeine ähnliche Ordnung dereinst im eignen Hause einzuführen.Oder bei den wohlhabenderen Fabrikanten versteht die Mutterbereits soviel, dass die Töchter im Elternhause ihre Lehrjahredurchmachen können. So vorbereitet, harren sie des Mannes,der sie beruft, seinen Haushalt zu führen.

Die Familienverhältnisse sind patriarchalische, die Sittenstrenge. Vielleicht, dass die Schwestern unten im Rhein-thale etwas voraus haben durch ihre Schönheit, die Mädchenauf den Bergen stehen höher durch ihre Tugend. Unten inden Fabrikstädten sind es selbsterwerbende, gut gelohnteMädchen ohne Heim, in der grossen Stadt der Aufsicht sichleicht entziehend und unbewacht vom Mutterauge ihrem Ver-gnügen nachgehend; der Vater hat seine Gewalt über sie ver-loren. Oben auf den Bergen gehört die Tochter ins Haus, anden elterlichen Fleerd; sie isst des Vaters Brot, geht mit denEltern aus, der Vater leidet kein Umherschweifen. Da istkeine Grossstadt, wo sie entschlüpfen kann, ein Jeder kennt sieund beaufsichtigt sie im kleinen Orte. Und kommt ein jungerBursche, so ist, wenn auch schmaler Raum, so doch immerhinRaum vorhanden im kleinen eignen Häuschen des Meisters,um den Freier zu empfangen. x ) Da ist wenig Gelegenheit fürdas Mädchen, Abends auf dem Heimgange eine Bekanntschaftanzuknüpfen, wenig Aussicht vorhanden, dieselbe auf demTanzboden fortzusetzen, um sie in der Heimlichkeit der Nachtzu einem schlimmen Ende zu führen. Und gelingt es dennoch,so ist fast immer ein Eheversprechen vorhergegangen, und der-jenige gilt für einengemeinen Kerl, der es nicht einlöst;es sind vielmehr in der Regel die Söhne wohlhabender Leute,welche verführte arme Mädchen der Schande preisgeben.

Die trefflich vorbereiteten Mädchen werden fleissige undtüchtige Hausfrauen. Sie besorgen die gesammte IJauswirtli-schaft, und das ist eine um so grössere Arbeit, für je mehrKinder, Gesellen und Lehrlinge sie zu kochen, waschen undnähen haben. Die Reinlichkeit vor allem ist eine staunen-erregende. In reichen Familien ist der Hausputz in Permanenzerklärt. Er fängt am Montag an und endet am Samstag, erdurchläuft alle Stadien vom Waschen an bis zum Schrubbenund Putzen; unbegreiflich, wie die Männer solches aushaltenkönnen. In ärmeren Häusern fasst man sich kürzer, aber

J ) Oben in Velbert und Langenberg herrscht unter den Bauern einemerkwürdige Sitte. Wenn dort eine Tochter erwachsen ist, so wird für siedie Stube links vom Eingänge hergerichtet, wo sie sitzt und arbeitet.Dann darf jeder Fremde kommen, mit ihr plaudern und um sie werben.Wehe ihm aber, wenn er sich nach fünf Uhr Nachmittags im Dorfe blickenlässt; dann jagen ihn die Bursche des Orts davon.