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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

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und sogar gegenwärtig bekommen die Schuster und Schreinerkeine Gesellen; namentlich die männlichen Dienstboten undgar die gallonirten gelten als Leute, die sich zu DienstenAnderer entwürdigen. Selbst der einfachste Zuhauer hat etwasvon diesem Handwerksstolze, und wenn er auch nie wagenwürde, sein Auge zu des Meisters Töchterlein zu erheben, sodünkt er sich mehr als ein anderer nicht zur Industrie ge-höriger Arbeiter. Es steckt in jedem bergischen Industrie-arbeiter etwas von dem Gefühl, welches einer ihrer Dichtermit den Worten auszudrücken sucht:

Hör ich Hämmer kräftig schwingen,

Klopft mir froh bewegt die Brust,

Denn das helle EisenklingenIst mein Leben, meine Lust.

Wenn die Luppen liclitroth glühen,

Funken blitzend, hell und rein,

Zischend aus den Flammen sprühen,

Bin ich stolz, ein Schmied zu sein.

Nicht mit Unrecht hält das Kemsclieider Volk etwas aufsich. In der That es steht höher als die Fabrikarbeiter untenan der Wupper und als die Industriearbeiter auf dem links-rheinischen Gebiete. Alle geistigen und sittlichen, wirthschaft-liclien und socialen Vorzüge des handwerksmässig-ländlichenBetriebes sind ihm noch erhalten geblieben, zugleich die Vor-züge einer alten und hohen Cultur. Welche Kaufmannschaftkann sich rühmen so weit gereist und so unternehmend zusein als die Reinscheider? Der Arbeiterstand ist intelligent,gebildet und sehr energisch, wohlbedacht auf die Wahrung-Seiner Rechte und Interessen. Die Sitten sind schlicht, einenLuxus wie in Aachen kennt man nirgend im bergischen Lande;hei gleichem Reichthum die höchste Einfachheit, bei gleicherBildung geringere Prätensionen. Ein solcher Volkseharacterentscheidet in letzter Instanz auch über das wirthschaftlicheund sociale Verhalten, über alle Consumtionsgewohnheiten; undhier greift eine Macht ins Leben ein, so unendlich bedeutungs-voll, von solcher Tragweite und von so wohlthätiger Wirkung,dass ihm ein Ehrendenkmal aufgeführt werden muss, demRemscheider Weibe.

Das Weib gestaltet im Bergischen die Lage seines Mannes.Das Familienleben bildet die Lichtseite der Industrie. Vorallem sind es ausgezeichnete Hausfrauen mit den Tugendender Arbeitsamkeit, Sparsamkeit und Wirthscliaftlichkeit. Dasgilt von den Frauen sowohl der Kaufleute wie der Meister.Selbst in den reichsten Häusern frappirt die schlichte Einfach-heit, das gewöhnliche Hauskostüm, das persönliche Hand-anlegen überall; eine Verbildung hat selbst das Pensionats-leben bei den Mädchen nicht erzeugen können. Und solcheKaufmannshäuser sind die hohe Schule für die Töchter der