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selbst die elendeste Hütte erhält am Sonnabend innerlich wieäusserlich eine gehörige Wassercur. Und wenn das Hammer-werk oder die Schmiede im Innern noch so unordentlich sind,— das ist des Mannes Revier, — tritt man ins Haus oder garin den Garten, dort herrscht die Frau, das ist ihr Reich derBlumen; die verdeckten Lauben, verschnittenen Gesträucheund wohlgepflegten Gemüsebeete sind das Werk ihrer Hand.Nur zur Saat- und Erntezeit legt der Meister das Schurzfellab oder miethet einen Tagelöhner, um den Weibsleuten zuhelfen.
I)ie häuslichen Tugenden der bergischen Frauen beruhen wohldarauf, dass sie von altersher ein mit Gesellen und Lehrlingengefülltes Haus zu verwalten und mit geringem und unregel-mässigem Verdienst hauszuhalten hatten. Der gegenwärtigeVolkscharacte]' hat die glücklichsten Folgen; das zeigt sichrecht deutlich bei einem Vergleiche zwischen den RemscheiderSchmieden und den Saarbrücker Bergleuten. Auch diesewohnen auf den Höhen zerstreut, haben eigne Häuschen, ganzvortreffliche Kasseneinrichtungen und ebenso gutes Verdienstwie jene; dennoch ist ihre Lage eine bei rveitem ungünstigere.Das ist die Schuld ihrer Frauen. Die Bergmannstöchter sindzu stolz sich durch Dienste in fremden Häusern auszubildenund werden daher schlechte Wirthinnen. Manche Frauenlassen ihre Männer Tag aus, Tag ein mit einem Topf schwarzenKaffe und einem Stückchen Brot in die Grube fahren; anderewärmen nicht einmal das Essen, sondern stecken es in einTuch und dann ins Bett. Sie verstehen nicht eine geregelteHaushaltung zu führen und von Zahltag zu Zahltag zu calcu-liren: das Leben der bergmännischen Bevölkerung hat mandaher nicht mit Unrecht in ein dreitägiges luxuriöses und elf-tägiges ärmliches Dasein getheilt. In guten Zeiten sind dieFrauen verschwenderisch und überbieten auf den Wochen-märkten sogar die Frauen der Aerzte und Ingenieure; inschlechten Jahren verstehen sie aus dem kargen Verdienstnichts zu machen.
Aber auch ins bergische Land ist dem Fabrikbetriebe derSchatten der Eigenthums- und Familienlosigkeit gefolgt. DieFabrikarbeiter besitzen nichts und ihre Frauen haben nichts, w r o-mit sie zu rathe halten könnten; sie verstehen nicht, ein Stück-chen Land zu pachten und zu bestellen oder in fremden Häusernzu waschen und zu putzen; auch sie können sich an dasSystem der Lohnarbeit noch nicht gewöhnen. Mit dem Unter-gänge der alten Betriebsformen der Industrie tritt uns auchhier die Auflösung der früheren Eigenthumsverhältnisse undder Verfall des Familienlebens entgegen. Je mehr aus Rück-sichten der Technik der Fabrikbetrieb um sich greifen wirdund muss, desto dringender wird die Pflicht der denkendenund wohlwollenden Männer, aus Rücksichten der Sittlichkeit