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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

zweitens selbständige Handwerksmeister, drittens grosse Unter-nehmer und zwar wieder Commissionäre, hausindustrielle Kauf-leute und Fabrikanten. Die am tiefsten stehende Klasse ingeistiger und körperlicher, wirthschaftlicher, socialer undpolitischer Hinsicht bilden die Lohnarbeiter; ihre Interessensind entgegengesetzt denen der gesummten Menge der Arbeit-geber und ihre Forderungen widersprechen daher den For-derungen dieser letzteren. Die Lohnarbeiter haben sich allent-halben zur socialdemocratischen Partei geschlagen, und dieseist dort am stärksten, wo der capitalistische Betrieb und damitdas System der Lohnarbeit am vollständigsten gesiegt hat, inSolingen; sie sind es, welche für den democratischen Socia-listen Herrn Rittinghausen stimmen. Die Handwerksmeister,wie die Kleinschmiede, die Besitzer von Hammerwerken undauch von einigen grossen Wasserkotten, die Fertigmacher,Scheidenmacher u. s. w. stehen zwar auf dem Boden derArbeitgeber, sie wollen freie Bahn für Alle und überlassen esjedem Genossen aus eigner Kraft oder in freier Vereinigungsein Ziel zu erreichen, aber als kleine Leute sind sie wirth-scliaftlich, social und politisch radical. Am zahlreichsten sindsie am Gerilsberge, an der Enneperstrasse, in Eilpe und auchin Hagen selbst, und von ihnen wird der Fortschrittsmann,Herr Eugen Richter in den Reichstag entsendet. Am meistennach Rechts steht die Gruppe der grossen Unternehmer, diegewöhnlich Hand in Hand mit den Handwerksmeistern Frontgegen die Lohnarbeiter macht; aus dieser Coalition ergebensich unter normalen Verhältnissen liberale Compromiss-Can-didaten, wie die Herren Jung in Solingen und Dr. Teehow inRemscheid; wo jedoch wie am 30. Juli 1878 aus Rücksichtauf die Katholiken im unteren Kreise Solingen der conser-vative Landrath aufgestellt wurde, stellten die Fortschritts-leute einen eigenen Candidaten auf. In Hagen ist es unterder arbeitgebenden Klasse in Folge der wirthschaftlichenDifferenz des Schutzzolls zu einer Spaltung gekommen. Aufder einen Seite die Vertreter des handwerksmässigen und haus-industriellen Betriebes als Freihändler; auf der andern dieFabrikanten und deren Anhang als Schutzzöllner.

Tiefgehende Klassenunterschiede bestehen unter der Be-völkerung der Stahl- und Eisenwaarenindustrie; diese als Ge-sammtheit dünkt sich aber weit erhaben über alle andernGewerbe. Das zeigt sich bei Kaufleuten, Meistern undArbeitern. Der Inhaber eines offenen Ladengeschäfts, mag erauch reicher und gebildeter sein als mancher Exporteur, giltdennoch als social tiefer stehend; kein einziger von ihnen,obwohl es in Remscheid sehr tüchtige Kaufleute gibt, hatUmgang mit den Comissionären oder kommt am Mittwoch oderSonntag Abend zum Club bei Alberty. Das Schmiedehand-werk gilt als aristocratisches Gewerbe; in der flotten Zeit