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II. 3.
günstiger Conjunctur ein Mittel, den Vertragsbruch; inschlechten Zeiten ist keinerlei Hülfe vorhanden. Sehr schäd-lich wirkt ferner das Feilen, wenn nicht darauf geachtet wird,dass das linke vorgestemmte Bein, auf welchem die volle Lastdes Körpers ruht, in normaler Lage bleibt; vergebens hat manden Meistern anempfohlen, darauf zu achten; der Reisende isterstaunt über die Menge von Leuten, welche er auf der Land-strasse mit einem nach innen gebogenen Bein sich dahin-schleppen sieht. Endlich ist der Transport der schwerenEisenwaaren, den die Frauen und Kinder besorgen, sehrnachtheilig für die physische Entwickelung des Körpers. AmSonnabend sind alle Wege bergauf, bergab von Arbeitern be-setzt, die die länglichen schmalen Körbe mit den Feilen aufder linken Schulter tragen, unterstützt von einer Stange, dieauf der rechten ruht.
Dazu kommt die grosse Zahl von Schenken, deren einein Remscheid schon auf 88 Einwohner kommt, in Barmen undEssen erst auf 241 bezw. 194 Einwohner. Das ist jedoch nochkein Zeichen übermässiger Trunksucht. Einmal bedürfen dieSchleifer und Feuerarbeiter schon an sich eines anreizendenGetränkes und die Anfertigung zu schwerer Artikel seitensder vierjährigen Lehrlinge führt sie frühzeitig zum Branntwein-genuss. Der schwarze Kaffe ist bei weitem nicht so durchge-drungen, während neuerdings der Branntwein dem Biere zuweichen beginnt. Der Hauptgrund der zahlreichen Wirtli-schaften liegt für Remscheid in der örtlichen Zerstreutheit,eine jede Ansiedelung muss ihre Schenke haben; über ihr Vor-handensein entscheidet nicht die Einwohnerzahl, sondern dieOrtschaft. Wer selbst im Herbst in den nassen Thälern undüber die windigen Berge auf schmutzigen Wegen bei Regen,Schneegestöber und Sturm hat wandern müssen, wird denSegen solcher Kneipen voll und ganz zu würdigen wissen;dann ist er froh, ein schützendes Dach zu erreichen, sich zuerwärmen, auszutrocknen und zu neuer Fahrt zu stärken.
Obwohl Sprösslinge gesunder, kräftiger und solider Mütter,in ihrem zartesten Alter sorgfältig gepflegt und zu keinerleiharter Arbeit angehalten, leiden die Stahl- und Eisenarbeiterdoch sehr unter der späteren Beschäftigung und Lebensweise.Die physische Characteristik der Schmiede ist leicht: flacheBrust und gebückte Haltung, derbe volle Arme im Gegensatzzu dem sonst magern Körper. Auffallend gross ist die Anzahlder Todtgeborenen und Militäruntauglichen im bergischen Landemit seiner uralten Industriebevölkerung und seinen rauhenklimatischen Verhältnissen. Es betrug 1 ) der Procentsatz der
1 ) Dr. Beyer: Die Fabrikindustrie des R. B. Düsseldorf. 1876.S. 11 u. 12 — Beim Ersatzgeschäft in d. Bürgermeisterei Solingen waren