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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

wegen an den kleineren Feilen beschäftigt sind, arbeiten sogarWeib und Kinder mit; die letzteren werden vom zehnten Jahreab auch sonst zumKantenkippen, dem Wegschaffen über-hängender Feilenhiebe, verwendet. Doch ist das nur ganznebensächlich und in den andern Fabrikationszweigen kommenFrauen- und Kinderarbeit gar nicht vor. Die ärmsten Arbeitersind die zugewanderten, namentlich die aus dem Hessenlande:diese haben niemals etwas besessen und sie bleiben auch be-sitzlos; sie sind als rohe Kraftarbeiter wie z. II. als Zuhaueru. s. w. oder als Fabrikarbeiter tlhitig; sie führen das Lebenvon Schlafgängern. Die Wohnungsverhältnisse sind natürlichnach Ortschaften verschieden. So sollen sie z. B. in Velbertganz abscheulich sein und nur in Folge der elenden Lage desArbeiterstandes soll das Ilandfahrikat der Schlösser sich nochconcurrenzfähig erhalten. 1

Ganz auffallend schön sind die Wohnungen der Kaufleute.Selbst derjenige, der aus den Residenzen und den Bädern desRheinthals kommt, ist nicht wenig überrascht, dort zwischenBerg und Thal Villen zu finden, welche den schönsten Strasseneiner reichen Stadt zur Zierde gereichen würden. Schon imJahre 1809 schildern Augenzeugen 1 ) mit Erstaunen, im DorfeRemscheid Häuser zu erblicken, welche an Eleganz mit denender grösseren Städte wetteifern konnten; das seien die Häuserder reichen, in alle Welttheile handelnden Kaufleute, welchesich dieselben in ihren Gärten aufgebaut hätten; in der altenStadt Solingen lebe alles einfacher, kein solcher Unterschiedfalle ins Auge, die Gewinne seien gleichmässig vertheilt.

Die Nahrung und Kleidung der Arbeiterschaft hat sichgegen früher nicht unerheblich geändert. Im vorigen Jahr-hundert 2 ) herrschte noch die Nationaltracht: Werktags imSommer eine Kleidung aus derbem Leinen von selbstgespon-nenem Flachs, am Sonntag Kniehosen aus Baumwollensammetund eine kurze Jacke; zwischen ihnen kam das reine Hemdzum Vorschein; ferner wollene Strümpfe, Schuhe mit zinnernenSchnallen und eine baumwollene Zipfelmütze. Die Nahrungbestand aus Haferbrot; erst seit den 1780er Jahren wurdeRoggen zu bauen versucht und das Brot bestand dann auseinem Gemisch von Hafer und Roggen; um jene Zeit bildete dieKartoffel bereits den Hauptgegenstand fast aller Mahlzeiten.Kaffe war ein Luxus und kam höchstens Sonntags in sehrschlechter Qualität vor; die Sparsamen nannten esBankerott-wasser. Morgens gab es Milch oder Haferbrei, Mittags Ge-

) Düsseldorfer Staatsarchiv. Acta d. Grossherzgth. Berg: Bericht desObervogtsverwalters in Solingen vom 14. Februar 1809 und Specialstatistikdes Arrond. Elberfeld. 1809. Acta 28.

2 ) Manuscript eines Vortrages des Lehrers Vossnack in Reinshagen.Derselbe: der Kreis Lennep. 1854.