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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

den Conjuncturen, ihre Vermehrung, ja die eingetretene Ver-doppelung in Crefeld, in Solingen und anderweit beweisen, mitwelcher Kraft die hausindustriellen Kaufleute die Schwierig-keiten überwunden haben, die seitens der Capitalbeschaffungentstehen. Das gleiche Ungestüm entwickeln sie bei der Be-schaffung der Arbeitskräfte; Gesellen machen sie zu Meistern,Lehrlinge zu Gesellen; sie ziehen fremde Arbeiter heran undzwar mit um so grösserer Leichtigkeit, je geringer die Vor-bildung ist, welche von den Theilarbeitern erfordert wird unddaher eine Ausdehnung über enge Grenzen hinaus erlaubt,wie z. B. bei der Weberei. Bei der grösseren Menge ihrerProducte vermögen sie die schlechteren Waaren der Anhängerunter die guten zu mischen und sie um so eher an die Käu-fer zu bringen, als sie selbst den Absatz in Händen haben.Bei dem grösseren Umfange ihrer Unternehmungen vermögensie schon planmässiger und darum auch wirksamer alle Dis-positionen zu treffen, während die Kleinmeister mit ihren paarGesellen nichts zu überschauen im Stande sind.

Bei der Ausdehnung der Hausindustrie dreht es sich inerster Reihe um das Anwerben neuer Arbeitskräfte und um dieCapitalbeschaffung zu deren Auslölmung. Zwar geht das Na-tionalcapital zum Tlieil in feste Anlagen wie Werkzeuge undWerkstätten über, dem Hauptbestandteile nach bleibt es aberim flüssigen Zustande des Betriebscapitals; umgekehrt ver-bleiben die Arbeiter wohl an ihren früheren Wohnorten, aberin der Art ihrer Beschäftigung ist eine wesentliche Verschie-bung eingetreten. Wenn die steigenden Preise Gewinne inAussicht stellen, werden Arbeiter angeworben und Capitalienzusammengezogen, um als Lohnfonds zu dienen; fallen späterdie Preise, so fliessen die fremden Capitalien ihren Eigen-tümern zurück und die eignen werden in Sparkassen oderin sichern Papieren unterzubringen gesucht, die Arbeiter aberhaben ihren Beruf gewechselt und sind nun bis zum nächstenAufschwünge der Conjunctur in der übelsten Lage. DieAusdehnung der Production beruht in der Hausindustrie inerster Reihe auf der Vermehrung der Arbeitskräfte; die Con-juncturen treffen daher vor allem den Arbeiterstand und ihrWechsel fällt mit ausserordentlicher Plötzlichkeit auf den-selben.

Beim maschinellen Fabrikbetriebe liegen die Schwierig-keiten einer Ausdehnung der Industrie weniger in der Be-schaffung der ungelernten Arbeitskräfte, als vielmehr der be-trächtlichen Anlage- und Betriebscapitalien; dazu gesellt sichdas Misstrauen, welches die Fabrikanten gegen die Dauer derNachfrage hegen. Ist die Fabrik aber einmal gegründet, sostellt sie sich als selbständiges Ganzes hin, das Änlagecapitalwird ohne Betriebscapital nicht lebensfähig und bedarf derbefruchtenden Thätigkeit des Fabrikanten. Die beiden eie-