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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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bau in nennenswerthem Masse betrieben werden. Diese Indu-striebevölkerung erzeugt sich selbst; sie ist einerseits im Wesent-lichen auf das aus sich selbst hervorwachsende Menschenma-terial beschränkt; andererseits verlässt auch keiner das heimischeGewerbe und namentlich bei günstigen Conjuncturen ist espsychologisch erklärlich, dass die Chancen der Zukunft über-schätzt werden. Diese zum Handwerk geborenen, meist ge-lernten Arbeiter werden ergänzt durch die Einwanderung un-beholfener Tagelöhner aus dem Oberbergischen, dem Hessen-lande, dem Westerwalde und anderen wilden Gegenden. Da-durch ist eine Industriearbeiterschaft entstanden, welche be-sonders in Solingen und hauptsächlich in einzelnen Arbeits-verrichtungen, wie in der Schmiederei, der gesummten Waffen-fabrikation u. s. w. eine überzählige Bevölkerung darstellt, dieim Durchschnitt mittelguter Jahre unbeschäftigt bleibt und lang-sam oder auch, wie die Schwertschmiede, rascher tlieils dascommunale Eigenthum in Gestalt von Armenunterstützung,tlieils ihr alt ererbtes, aus früheren Jahrhunderten stammen-des Privateigenthum in Form von Verpfändung und Verkaufvon Werkstätten, Wohnungen, Genussgütern aufbraucht. DieseBevölkerung ist eine angesessene und technisch hochgebil-dete; sie unterscheidet sich ganz wesentlich von den fliegen-den Colonnen der jungen Fabrikarbeiter z. B. in der Textilin-dustrie; und nicht zum geringen Theile aus dem Vorhanden-sein dieser industriellen Reservearmee und deren Beschäftigungüber die normale Arbeitszeit hinaus erklärt es sich, dass trotzder Monate langen Strikes die kolossalen Bestellungen der Jahre187173 doch noch bewältigt worden sind. Unter normalenVerhältnissen wäre ein viel stärkerer Uebergang zum mecha-nischen Betriebe erfolgt; warum das nicht geschehen, ist imFrüheren wohl hinreichend hervorgehoben worden.

Beim handwerksmässigen Betriebe beruhen die Schwierig-keiten einer Ausdehnung der Industrie für die Kleinmeisterauf dem Mangel an Capital und Arbeitskräften; dieser wirdbei der Hausindustrie bedeutend weniger fühlbar. Das liegtdaran, dass an der Spitze der Industrie Kaufleute stehen, diemit grosser Energie sich Absatz schaffen, mit entsprechenderIntensität aber auch die Production auszudehnen im Standesind. Das Anlagecapital der Industrie ist unter allen Tlieil-arbeitern so sehr zerstreut, dass ein jeder derselben unschwerseinen Antheil aufzubringen vermag; das Betriebscapital be-steht hauptsächlich in Lohnfonds und vermindert sich um somehr, je längere Credite beim Verkaufe der Rohstoffe ge-gewährt werden und je häufiger die Chancen des Absatzessind, wodurch das Halten eines Waarenlager überflüssig wird.Die Betriebscapitalien gehören den Ivaufieuten selbst; tlieilshaben diese die Quellen des Credits flüssig zu machen ver-standen; das pilzartige Aufwuchern derselben bei ansteigen-