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II. 3.
Aus den Aufgaben der Innungen erhellen die Mängel undBeschränkungen, denen allenthalben der handwerksmässigeBetrieb unterliegt. Er bat Schwierigkeiten zu überwindenbeim Absatz, bei der Beschaffung der Rohstoffe, der Ver-besserung der Technik; es fehlt ihm ebenso an Energie undKenntnissen wie an Capital, die Unternehmungen zu ver-grössern. Bas entscheidet den Verlauf der Conjuncturen,worüber hier ein kurzer Excurs eingeschaltet w r erden soll.
Beengt von allen Seiten besitzt die Industrie beimhandwerksmässigen Betriebe eine sehr geringe Ausdehnungs-fähigkeit. Zunächst erfordert das bei diesem Betriebssystemwichtigste Productionsmittel, die menschliche Arbeitskraft,eine gewisse Ausbildung, welche um so länger dauert, je ge-ringer die Arbeitstheilung ist. Ferner ist die Anziehungskraftder Industrie auf fremde Arbeiter, die ja in der Regel dannauch noch nicht angelernte sind, eine verhältnissinässig ge-ringe; die Lockrufe der Kleinmeister reichen nicht w'eit, siesind zu schwach und verhallen imgehört. Die RemscheiderMeister gelangten daher bei dem letzten Aufsteigen der Con-junctur zu folgendem Verfahren: sie kamen an den Gewerbe-verein und trugen ihm ihren Mangel an Lehrlingen vor; dieserliess nun durch Agenten, Zeitungen und Privatleute Lehrlingeherbeischaffen und schoss sogar die Hälfte der Reisekosten vor,weil die Meister selbst dazu nicht im Stande waren. In Folgedieser Beschränktheit an Arbeits- und Capitalkräften bleibendiese beiden Productionsfactoren ziemlich stabil. Zw-ar ent-steht eine ungeheure Unruhe innerhalb des Handwerks, dieGesellen und Lehrlinge laufen von einem zum andern Meisteroder etabliren sich selbständig, aber die eigentliche Ausdeh-nung der Production findet durch Verlängerung der Arbeitszeitund durch die Beschäftigung aller sonst überzähligen Arbeiterstatt. In Remscheid stiegen daher auch die Preise und Löhneganz bedeutend, die Waarenmengen schwollen ganz beträcht-lich über das Niveau mittlerer Jahre an, aber eine Ueberpro-duction hat eigentlich nicht stattgefunden, wofern man daruntereine volkswirthschaftlich falsche Deplacirung von Capital undArbeitskräften versteht.
Aehnlich wie beim handwerksmässigen Betriebe verlaufendie Conjuncturen bei denjenigen Ilausindustrieen, welche hoch-gelernte Arbeiter beschäftigen wie z. B. bei der SolingerSchleiferei. Auch hier findet keine acute Vermehrung vonArbeits- und Capitalkräften statt, wohl kann man aber bis zueinem Grade von einer - chronischen Ueberproduktion reden.Die Solinger und Remscheider Industrie ist nämlich räumlichin einem bestimmten Gebiete concentrirt und bat, wie spätergenauer ausgeführt werden soll, die Bevölkerung desselbenvöllig aufgesogen, so dass weder andere Gewerbe noch Acker-