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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

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Anders gestaltete sich die Entwickelung in der wichtigstenIndustrie, der Feilenfabrikation. Hier bestand seit dem Jahre1845 eine Feilenhauer-Innung, welche nach 1850 drei Jahrelang ruhte und deshalb aufgelöst werden sollte, die sich je-doch durch alle Wechsel der Zeiten erhalten hatte. Wie beiden Seidenwebern, so war auch hier gemäss der Verordnungvom 9. Februar 1849 die Ordnung des Lehrlingswesens dieHauptaufgabe; dieselbe wurde aber um so unwesentlicher, jemehr die jungen Leute in die Manufacturen gingen, wo sieauch ohne Lehrlingsprüfung gleich bezahlt wurden. BeimHandwerksmeister erhielten die Knaben die Kost und wenigLohn, in der Fabrik aber zwei Thaler und die Kost von ihrenEltern; diesen letzteren lag weniger an der Entlastung derNahrungssorgen um ein Kind, als an dem Erwerbe der blankenThaler, und sie schickten ihre Söhne immer mehr in die Manu-facturen. Die Lohnarbeiter-Innung siechte kraftlos dahin, weilsie an die Verfolgung ihres Lebensinteresses, der Bestimmungder Lohnhöhe, sich nicht heranwagen durfte. Da sprengtedas Jahr 1869 die Fesseln und im selben Jahre errichtete dieInnung eine Lohntaxe, die aber nicht völlig zur Durchführunggelangte. Je günstiger nun die Conjunctur wurde, desto mehrwollten die Arbeiter an derselben theilnehmen und mit densteigenden Preisen auch ihre Löhne erhöhen. Es bildeten sichneben der Innung die Feilenhauer-Vereine der Feilenschmiede.Feilenschleifer und Zuhauer, welche einen gemeinsamen Vor-stand erwählten, an dessen Spitze der Obermeister der Feilen-hauer-Innung, Herr Weiss, trat. Dieser warb in Wermels-kirchen, Lüttringhausen und Rade vorm Wald Genossen fürfür seinen Bund.

Die Innung verhielt sich still. Da erklärten die Feilen-hauer der Firma Mannesmann: ihr Lohn sei zu gering, undals eine Erhöhung desselben nicht bewilligt wurde, legten siedie Arbeit nieder. Nun erkannte die Firma die Berechtigungder Forderung an, es gelang ihr einen Verein von dreizehnFeilenfabrikanten zu bilden, und in gemischter Commission ver-einbarten sie im Jahre 1872 einen Tarif für sämmtliche Feilen-arten. Ausserdem wurde die frühere Sitte beseitigt, wonachder Feilenhauer die Schleifer und die Fracht vom und zumKotten bezahlt hatte; von nun ab erhält er den reinen Lohnfür seine Arbeit. Die Fabrikanten, welche den Tarif nichtbefolgten, wurden durch Strikes zu seiner Anerkennung ge-zwungen. Darauf folgte eine Zeit der Ruhe.

Da erklärten die Feilenschmiede dem Gesammtvorstancle,dass ihre Löhne zu niedrig wären und sie dieselben erhöhenwollten. Herr AVeiss gab ihnen zu, dass ihr Lohn nicht zuhoch wäre und er gegen ihr Vorhaben nichts einzuwendenhätte. Das fassten die Schmiede so auf, als hätte der Yor-stand der Feilenhau er-Innung ihre Absicht gebilligt und ihnen