126
II. 3.
muss der unbekannte Handwerker gleich baar bezahlen. 1 ) Aelin-lich muss er beim Verkaufe an den Commissionär geben unddiesem die Provision zugestehen, welche der grössere Concur-rent durch den directen Verkauf an den Kunden erspart.Bei der Ungleichmässigkeit der Beschaffung von Arbeit undAbsatz, wofür ihm ein jeder weitere Blick fehlt, muss er höherePreise fordern, um das ganze Jahr, auch während der arbeits-losen Zeit leben zu können.
Die innere Einrichtung der Werkstätten ist eine sehrmangelhafte. Die Wasserwerke vor allem lassen viel zu wün-schen übrig. Die Hammerwerke haben gewöhnlich ober-schlägige, die Schleifereien meist die alten untersehlilgigenWasserräder. Die überschlägigen sind dort an ihrem Platze,wo wenig Wasser und viel Gefalle ist, wo der Hammer baldlangsamer, bald rascher geht und die grosse Kraft der Tur-binen nicht continuirlich ausnutzen könnte; die Hammerwerkesind vielfach im Besitze von Kaufleuten und wohlhaben-den Schmieden und daher noch am rationellsten eingerichtet.Dagegen sind die unterschlägigen Räder in den Schleifereiennamentlich auf der Wupper ein grosser Fehler; es finden sichdort doch grosse Wasserinassen und die Steine bleiben imfortlaufendem Betriebe; alle Papier- und Spinnmühlen be-sitzen bereits Turbinen, freilich sind sie auch technisch undcapitalistisch tüchtig geleitet. Ferner hat man an den Schleif-kotten nicht immer Verschlage gegen das Einfrieren der Räderangebracht, und die Wasserwerke sind um so verwahrloster,je ärmer die Besitzer sind. Da sind sie denn im Innern nass,kellerartig, die Wände durchsichtig, durch das offene Dachzieht der Rauch. Ich bin davon überzeugt, dass wenn dieWasserwerke rationeller eingerichtet worden und rechtzeitigkleine Dampfmaschinen zu Hülfe genommen wären, die Anlageeiner grossen Anzahl von Dampfschleifereien vermieden wordenwäre. Aber die alten Familien der Schleifer waren auf demFaulbett ihrer Privilegien kraftlos geworden, sie hatten dieZeit der Verbesserungen versäumt oder hatten auch nicht dasnöthige Capital dazu.
Die Hammerwerke und Schleifereien liegen gewöhnlich inbuntem Wechsel durch einander. Die ersteren brauchenweniger Wasser als die zweiten und lassen ihren Ueber-fiuss durchlaufen. Die Kotten unter ihnen haben gewöhnlichunzureichende Reservoire und können das durchströmendeWasser nicht auflängen; sie leiden daher im Sommer anWassermangel. Um das Wasser gleichmässig zu benutzen,haben die Schleifer unter sich abgemacht, und es existirt so-
') Zalilenmässige Nachweise über ähnliche Verhältnisse bei grossen undkleinen Fabrikanten siehe in meinem Aufsatz: „Ueber die Hausindustrieim Gouvernement Moskau“, in d. Russ. Revue. 1878. I. S. 502—518.