II. 3.
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Welchen Einfluss hat nun die handwerksmässige Betriebs-fonn auf den Zustand der Technik?
Die Leitung derselben liegt in Händen von selbständigenMeistern, durchgängig Fabrikanten genannt, welche aus eignemMaterial ihre eigne Waare herstellen oft nach eigenen, oftnach den von den Kaufleuten mitgebrachten Mustern. Diehandwerksmässige Betriebsform hat sich erhalten und bestimmtnoch heute den Typus der Industrie. Sie wird ermöglichtdurch die Einfachheit der Producte, welche gewöhnlich ohneArbeitsteilung hergestellt werden, denn dass die Schleiferund vielleicht hei den Feilen noch ein oder zwei fernere Lohn-arbeiter hinzutreten, ändert an der Hauptsache nichts. DieKleinmeister besitzen eine ausgezeichnete, in zwei Jahrhun-derten erworbene Handfertigkeit; wo es bei einfachen Fabri-katen auf diese ankommt, werden sie sich noch lange halten;sonst aber arbeiten sie verhältnissm'ässig theuer und mit schlech-ten technischen Vorrichtungen.
Schon die Materialien sind nicht gleichmässig. ln Rem-scheid beschaffen die Schmiede Stahl und Eisen selbst. Dasgeschieht deshalb, weil die Fabrikate keinen so hohen spezi-fischen Werth haben wie in Solingen und daher auch nichtso genau controllirt werden können, wie es beispielsweise mitden Klingen geschieht; die Identität des Materials könntenicht festgestellt werden, die Meister würden bei der Massen-production die Materialien vertauschen und die Kaufleute be-trügen. Daher kaufen die Meister den Stahl seihst, aber inkleinen Portionen und nicht immer von so guter Qualität undderselben Gleichmässigkeit, wie es seitens grosser Firmen imMassenankauf oder gar heim eignen Guss des Stahls geschieht.Ebenso ungleichartig ist die Verarbeitung. Den Fabrikatender Kleinindustrie merkt man jeden Aerger über das Kind,jeden Zank mit der Frau an, jeden der tausenderlei Einflüssedes häuslichen Lehens; alle wirken sie auf die Güte der Be-arbeitung und die Facon. Endlich kann man von dem sprich-wörtlich „deutschen Fleiss“ doch nur in sehr beschränktemSinne reden; vielmehr ist die Arbeitsintensität hei andern,wirthschaftlich höher stellenden Völkern eine viel grössere.Erst die letzte Krisis hat die Selbstbespiegelung auf diesemGebiete ein wenig gestört und zu höheren Leistungen ange-spornt, so dass liier und da in der halben Zeit oder mit derHälfte der Menschen fast das Gleiche erzielt wird, wie trüber,durch grössere Anspannung der Kräfte, bessere und rationellereAusnützung aller Vortheile und allerlei kleine Ersparnisse.
Aber auch theuer fabricirt der Kleinmeister. Zwar ister heim Einkauf des Stahls unabhängiger gegen früher ge-worden , denn mehrere Hüttenwerke halten Agenten in Rem-scheid und liefern zu billigen und guten Preisen; aber währendder grössere Fabrikant drei bis neun Monate Credit erhält,