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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

Kotten ins Comptoir gelangenden Waaren controlliren undverpacken, während die Ballen der Textilindustrie nur nachMustern beurtheilt werden. aber das sind doch nur unbe-deutende Beste jener früheren Zeit, wo der Kaufmann einfabricirender Schmied war.

Der Zusammenhang von Industrie und Handel ist so gutwie gelöst; der heutige Kaufmann hat sich weit von seinemAusgangspunkte entfernt. Schon sein ganzer Bildungsgang istein rein kaufmännischer; die fremden Sprachen werden amstärksten betont, während der Lehrzeit beim Verpacken dieWaarenkunde und auf Reisen die Kenntnisse der Märkte ange-eignet. Ein Blick in das Tagebuch eines intelligenten Kauf-manns lehrt, auf wie viel Tunkte er sein Augenmerk zu richtenhat: die Anzahl der erhaltenen Bestellungen, den Wechsel imBegehr, die Aussichten im Absätze, das Entwerfen neuer Muster,die wirthschaftlichen, socialen und politischen Constellationen:der Handelsminister hat Recht, sich von solchen Männern Be-richte erstatten zu lassen.

Die Kaufleute wie ihre Reisenden sind reine Kaufleute,exportirende Grosshändler, sie besitzen eine vielseitige Waaren-kunde, aber fast gar keine Kenntniss von der eigentlich tech-nischen Fabrikation, das ist eine folgenschwere Thatsachefür die Technik. Zweitens führen diese Kaufleute allen Zu-wachs ihrer Geschäfte naturgemäss ihrem Handel, und nichtder Industrie zu, das ist eine entscheidende Thatsache fin-den Capitalreiehthum der Industrie. Von dem Aufblühenkaufmännischer Bildung und kaufmännischen Capitals profitirtdie Industrie direct nichts!

Die Kaufleute sind nicht die einzigen kaufmännischenLeiter der Itemscheider Industrie; neben ihnen steht die un-übersehbare Menge der selbständigen Kleinmeister. Die Mehr-zahl derselben verkauft ihre Waare au die Commissionäre undim XVIII. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des XIX. wardas die Regel. Die Erleichterung des Verkehrs durch dieEisenbahnen brachte ihnen alle Märkte näher; sie begannenwährend der stillen Arbeitszeit selbst zu reisen, dritter odervierter Klasse, wohnten im schlechtesten Gasthause, gingenbis zum ärmsten Kunden und lieferten ihm die Bohrer undFeilen billiger als die Kaufleute, die weit höhere Spesen fürComptoir und Reisen haben. Je wohlhabender solche Meisterwurden, desto weniger wollten sie den Commissionären dieProvision zahlen und nahmen den Absatz in Deutschland undauf den nahegelegenen Märkten in eigene' Hände. Dabeikonnten sie sich nicht nur auf ihr eigenes Product speciali-siren und mussten aus Rücksicht auf ein vollständiges Muster-assortiment immer verschiedenartigere Metallwaaren von ihrenGenossen mitnehmen. Obenan stehen die Feilenfabrikanten,denn in dieser Industrie hat die Arbeitstheilung die Betriebsform