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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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schriebenen Sätzen ausgezahlt hatten. Den Einnahmen stehenin ruhigen Zeiten nur geringe Ausgaben gegenüber; die Unter-stützungen bei Strikes werden von der Generalversammlungbewilligt. Es erhielten dann bei den Messerschleifern: einlediges Mitglied 9 M., ein verheirathetes 12 M. und für jedesKind 1.50 Mark wöchentlich; bei den Scheerenschleifern em-pfing das ledige Mitglied 10.50 M., das verheirathete mit einemKinde 13.50 M. und jedes fernere Kind 1.50 Mark wöchentlich.Sonstige Kassen sind mit diesen reinen Strikevereinen nichtverbunden. Die Unterstützungen, welche die Schleifer ihrenerkrankten Genossen angedeihen lassen, sind rein privaterNatur und reichen auch gewöhnlich nicht über den betreffendenWasser- oder Dampfkotten hinaus; nur beiläufig hat die Ver-einskasse der Messerschleifer den Ueberschwemmten am Rheinund in Ostpreussen Einiges zukommen lassen. (Näheres überdie innere Organisation siehe in Anlage IV.)

Die Vereine kranken an einem grossen Mangel, an derFreiwilligkeit; eine beträchtliche Zahl von Arbeitern schliesstsich denselben nicht an. Die Schleifer haben noch am meistenCorporationsgeist besessen und während der guten Conjuncturalle Genossen durch terroristische Massregeln gezwungen, sichden Lohnlisten zu fügen. Aber wie viele sind selbst unter ihnen,welche die Prüfung einer rückgehenden Conjunctur nicht aus-halten; von den übrigen Arbeiterklassen kann gar nicht dieRede sein: dort sind alle Vereine und Vereinbarungen illuso-risch gewesen. Trotz alledem, wie ganz anders erscheinendie belgischen Eisenarbeiter im Vergleich zu den Textilarbeiterndes linken Rheinufers! Aufgeklärt und energisch haben siebegonnen, eine consequente Lohnpolitik zu befolgen, und werdenihren ersten Versuch gewiss mit Zähigkeit fortsetzen.

Den Arbeitern gegenüber haben Kaufmannschaft undFabrikantenstand eine fast klägliche Rolle gespielt. Wiesollten denn die Arbeiter zu Lohnerhöhungen gelangen, ohnezu Strikes ihre Zuflucht zu nehmen? Wo gab es dennFabrikantenvereine, mit, denen sie hätten verhandeln können?Folgten im Jahre 1873 etwa die Fabrikanten ihrer gutenhöflichen Einladung zu gemeinsamer Unterhandlung? Nichtsvon allemdem geschah. So oft die Fabrikanten Vereinezu bilden suchten oder bildeten, fanden sich stets Collegen,die von der öffentlichen Meinung später als Ehrenwortsbrecheroder Verrätlier bezeichnet wurden, oder es blieben die bedeu-tendsten Firmen (wie z. B. drei Finnen bei den Verhandlungen mitden Messerschleifern) ausserhalb des Vereins. Bei dem Mangeleines staatlichen Beitrittszwanges wäre es das einzige Mittel ge-wesen, dass die Arbeitervereine ihrerseits die renitenten Kauf-leute so lange in Strike erklärt hätten, bis sie dem Fabrikanten-verein beigetreten wären. Ein solches Verfahren war abernach dem Eintritt der schlechten Conjunctur ganz aussichtslos,