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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. B.

zu leiden; daher vermögen sie einen gewissen Einfluss auf die^Regelung des Arbeitsangebots und die Bestimmung der Lohn-höhe zu äussern.

Die Einschränkung der Arbeiterzahl galt schon den be-schlossenen Ilandwerkszünfteu als Lebensfrage; selbst nachAufhebung ihrer Verfassung wurde dieselbe durch einen Terro-rismus gegenüber denjenigen Meistern erreicht, welche ausser-halb des Handwerks geborene Lehrlinge annahmen. Die Aus-dehnung der Dampfschleiferei verstärkte die Nachfrage nachArbeitskräften und es begannen seitdem sehr viele Meister dieAusbeutung von Lehrlingen als eine Quelle anzusehen, aus dersie nach Belieben schöpfen konnten. Sie machten es sichförmlich zum Geschäft, mehrere Lehrlinge zugleich zu haltenund dieselben so abzurichten, dass sie nur eine einzige Ver-richtung z. B. Pliesten oder Poliren bis zur Beendigung ihrerLehrzeit betreiben mussten; an eine vollkommene Ausbildungder Lehrlinge wurde in diesen Fällen gar nicht gedacht. Erstin neuerer Zeit sieht man den Nachtheil eines ganz einseitigausgebildeten Nachwuchses ein, und es tritt augenblicklichdas Bestreben hervor, möglichst wenige Lehrlinge einzustellen,um dadurch für die Folge einem Uebermass von Arbeitsange-bot zu steuern, dieselben aber in allen Verrichtungen aus-zubilden.

Die Beeinflussung der Lohnhöhe haben die Vereine sichzur Aufgabe gesetzt. Dieselben sind weder eine fortschrittliche,noch eine socialdemocratische Gründung, obwohl fast alleArbeiter der letzteren Partei angehören, sie sind vielmehrurwüchsig aus der Natur der Thatsachen erwachsen und dahereiner näheren Darstellung wertli.

Die beiden Vereine 1 ) der Messer- und der Scheeren-schleifer geben im ersten Paragraphen ihrer Statuten als ihrenZweck an die Förderung und Wahrung der Ehre und dermateriellen Interessen ihrer Genossen. Mitglieder können nurselbständige Meister werden; ihre Zahl beläuft sich gegen-wärtig auf etwa je 450. Der erste Verein hatte seinen Höhe-punkt in den Jahren 1874/5 erreicht, der andere wurde am31. März 1872 mit 400 Mitgliedern gegründet und hat sichallmählich auf den gegenwärtigen Bestand gehoben; höchstens6080 Scheerenschleifer stehen ausserhalb des Vereins. DieEinnahmen bestehen in den laufenden Beiträgen von 10 Pf.wöchentlich bei den Messer- und von 40 Pf. monatlich bei denScheerenschleifern, bei welch' letzteren noch ein Eintrittsgeldvon 20 Pf. erhoben wird. Ausserdem verhängten die Vereinewährend der jüngsten Zeit Bussen über die Fabrikanten in denBeträgen, um welche diese die Löhne unter den vorge-

*) Die Angaben über die Schleifervereine verdanke ich Herrn CarlRautenbach in Solingen.