Unterdrückung der Selbständigkeit der Schleifer nicht im Schildeführe, unterstützte dieselbe, und bei der schlechten Conjuncturgewann er den ausgebrochenen viermonatlichen Strike. Nuntrat Henckels aus dem Verein, führte dennoch das aus, wasdie Schleifer gefürchtet und der Fabrikantenverein nicht ge-wünscht hatte, und schloss besondere Lohnverträge mit seinenSchleifern ab. (Yergl. Anlage III).
Die 'Wutli seiner Collegen wie die der Schleifer ist einegrenzenlose. Bei der nächsten günstigen Conjunctur spielt dasRaus ein gefährliches Spiel; seine Arbeiter werden hohe Strafenauferlegen wollen und seine Collegen nach den Erfahrungender Jahre 1872 und 1877 ihre Unterstützung gewiss versagen.Diese doppelten Anfeindungen sind für die Solinger Industriehöchst cluiracteristiseh. Die einzige grosse Fabrik will dievollen Consequenzen des capitalistisch — fabrikmässigen Be-triebes ziehen, ihre Arbeiter in reine Fabrikarbeiter verwandelnund eine weitergehende Arbeitstheilung einführen, — da be-gegnet sie bei Concurrenten wie Arbeitern der nämlichenOpposition. Die ersteren ahnen die technische Verbesserung,welche damit verbunden ist, und hegen einen bittern Neidgegen das grosse Etablissement. Die Arbeiter fürchten fürden letzten Rest ihrer Selbständigkeit; dieselbe ist aber dochnur eine scheinbare: denn erstens sind die Schleifer von jeherLohnarbeitei- gewesen, zweitens haben sie sich sehr oft con-tractlich verpflichtet, in erster Reihe die Klingen des Kauf-manns zu schleifen, in dessen Schleiferei sie sich eingemiethethaben, drittens existirt schon eine Art Arbeitstheilung, indemdie Meister schleifen und die Gesellen und Lehrlinge pliestenund poliren. Mit dem ferneren Entstehen von Fabriken wirdohne Zweifel rasch auch jene Solingen eigenthümliclie Organi-sation der Schleiferei verschwinden.
In Folge des unglücklichen Ausgangs des Strikes zerfiel derVerein der Tafelmesserschleifer; der Königsmantel entglitt denSchultern des gefürchteten Präsidenten und deckte die Blossenauf, welche ihn gestürzt haben. Lediglich die Scheerensclileiferhaben sich mit ihren Löhnen auf den Wogen der noch hoch-gehenden Conjunctur erhalten, alle übrigen Arbeiterklassensind von der zurückgegangenen Flutli wieder in die Tiefen derArmuth und der Entbehrung gezogen worden. —
Woran liegt es, dass die langwierigen Streitigkeiten dochzu keinem dauernden Ergebniss geführt haben ?
Bei den meisten Arbeiterklassen war überhaupt nichtsAnderes zu erwarten: die Reider sind wenig zahlreich, dieFeiler arm und sehr zerstreut, die Schmiede in Folge mecha-nischer Vorrichtungen überzählig; auf allen lastet der Druckder arbeitslosen Waffenarbeiter, die sich anderen Beschäf-tigungen zuwenden müssen. Einzig die Schleifer sind localconcentrirt und haben noch unter keinem Maschinenbetriebe