Leider werden die vereinbarten Lohnsätze nicht immer be-folgt: wenn eine Bestellung einläuft, so werden die Löhnezwischen Kaufmann und Schleifer verabredet und dann erst inder Lohnliste der entsprechende Titel aufgesucht, ganzpolirteScheeren-Klingen z. B. als dreiviertels-polirte ins Büchlein ein-getragen. Jedoch kommt es dann häufig vor, dass Fabrikanten,welche zu niedrige Preise gezahlt haben, auf Antrag desSchleifervereins vom Fabrikantenverein gezwungen werden,die auf diese Weise gemachten Ersparungen an den Schleifer-verein auszuzahlen, welcher diese Gelder dann gewöhnlich zurUnterstützung des ersten beim Betriebe seines Gewerbes voneinem Unglücksfalle betroffenen Mitglieds verwendet.') ImAllgemeinen ist dadurch den Scheerenschleifern doch mehr alsirgend einer andern Arbeiterklasse ein gleichmassiger Lohnerhalten geblieben; zum Theil rührt das daher, dass die Con-junctur für Scheeren wiederum eine günstige geworden ist.
Dem Vorgänge der Scheerenfabrikanten folgten die Tafel-messer-Fabrikanten und bildeten einen Verein, der gleichfallseine Einigung mit den Arbeitern herbeizuführen suchte, wasihm auch mit einigen Reidervereinen gelang. Aber alle dieseVerabredungen haften keinen praktischen Werth, weil mit derrückgehenden Conjunctur die Löhne unter die Sätze der Listesanken. Einzig die Tafelmesser-Schleifer erhielten ihre Lohn-sätze in Kraft. Da trat im Anfänge des Jahres 1S77 dieFirma Henckels an ihre Schleifer mit der Forderung heran,dass einzelne derselben in ihren Werkstätten nicht mehr alsselbständige Miether von Raum und Kraft, sondern als Fabrik-arbeiter auf Stücklohn arbeiten, und dass im Schleifen. Pliestenund Policen eine Arbeitsteilung eingeführt, jene Verrichtungenalso von verschiedenen Personen vorgenommen werden sollten.Die Schleifer weigerten sich, indem sie ihre Selbständigkeitbedroht sahen, zumal sie bei einer einseitigen Gewöhnung aneine einzige Arbeitsverrichtung die Fähigkeit, verlieren würden,in anderen Schleifereien unterzukommen, wo sie sowohl schleifenals auch pliesten und poliren müssten; sie würden demnach totalabhängig von der Henckels’schen Fabrik werden. Die Schleiferdieser Firma legten daher am 15. Februar 1877 die Arbeitnieder. Der Verein der Tafelmesser-Fabrikanten, in der Mei-nung, es handle sich blos um die Anstellung einzelner Schleiferfür besondere Sorten Messer, und gestützt auf die ausdrücklicheErklärung der Henckels’schen Firma, dass sie die befürchtete
L So kam in der letzten Zeit noch ein Fall zum Austrag, wo einSeheerenfabrikant einen Schleifer vor und nach um etwa 100 Mark durchNotirung zu niedriger Preise geschädigt hatte. Trotzdem er sich mit dembetreffenden Arbeiter nachher beglichen hatte durch Auszahlung der Summevon 20 M., so wurde er doch vom Fabrikantenverein gezwungen, den übrigenBetrag von etwa 90 Mark an die Kasse des Scheerenschleifer - Vereinsauszuzahlen.