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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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II. 3.

Und als der Fabrikinspector forderte, die Mädchen sollten beimPassiren der Strasse doch wenigstens ein Kleid Überwerfen,da waren alle Einwohner und alle Kauflente der Stadt er-staunt über die sentimentale Zartheit, und selbst der Land-rath blieb dabei, dass das Ueberwerfen eines Rockes zu nochgrösseren Unsittlichkeiten führen würde. Nach jahrelangenKämpfen über diesen Punkt siegte endlich die Schamhaftig-keit, und in letzter Zeit hat in Folge des starken Rückgangesder Quincallerie-Fabrikatiou die Mädchenarbeit überhaupt sichvermindert.

Die Gefährlichkeit der Schleiferei') für die Gesundheitist weltbekannt. Schon die kalte und feuchte Luft in denWasserkotten, die häufig nur dunklen Kellern gleichen, zer-stört auch die festeste Constitution. Und doch besassen die-selben einen gewissen Vorzug vor den Dampfschleifereien.Früher lag der Schleifer während der arbeitslosen Zeit aufdem Damm, athmete ein paar Monate lang frische, reine Luitoder arbeitete gar in seinem Gärtchen; nach ein bis zweiMonaten circulirte ein neues Blut in seinen Adern, ln dentrockenen Dampfschleifereien hingegen ist er in ununter-brochener Thätigkeit; freilich ist hier die Arbeitszeit einedurch die Heizung der Dampfmaschine beschränkte, währenddie Wasserschleifer nach überstandenem Wassermangel oft ge-radezu Uebermenschliches leisten. Von den 895 Schleifern,welche Dr. Oldendorff auf ihren Gesundheitszustand hin unter-sucht hat, waren in den Dampfbetrieben 13"/ 0 , in den Wasser-betrieben l7°/ 0 kräftig, 48"7. bezw. 53",, mittelkräftig.und 40"/ 0 , bezw. 30% schwächlich; momentan waren 58";,,bezw. G3% gesund.

Die Schleiferei zerfällt in das eigentliche Schleifen und indas Pliesten und Policen. Das erstere findet auf nassen odertrockenen Steinen statt. Beim Nassschleifen wird kein Stauberzeugt, dafür werden aber die Kleider und der ganze Körperdurchnässt und die Gefahr der Erkältung und des Rheuma-tismus liegt sehr nahe. Dagegen wird beim Trocken-schleifen ein furchtbarer Staub erzeugt, der von den Arbeiternso gefürchtet ist, dass sie zum Theil während der Arbeit sichNase und Mund verbinden. - eine ausserordentlich lästigeBeschränkung. Zum Glück ist das Trockenschleifen nur beieinigen Arten z. B. bei den Rücken der Messer und den

Ü a. a. 0. I. III. 2. 12. Bericht des Reg.- und Medicinalrath Dr. Beyer. Bericht des Düsseldorfer Falirikinspectors vom 13. .Mai 1853 und fijr1854. Dr. Beyer: Die Fabrikindustrie im R. B. Düsseldorf 1876. S.44. Vortrag des Dr. Krumme. 1875. Remscheid. Meine Beiträge,a. a. 0. S. 83. Die weitaus hervorragendste Untersuchung des Einflussesder Schleiferei und der Eisenarheiter im Solinger Bezirk auf die Gesund-heit. zugleich eine statistische Leistung allerersten Ranges ist die von Dr.A. Oldendorff: Der Einfluss der Beschäftigung auf die Lebensdauer des

Menschen. 2. lieft. 1878. Berlin.