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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

es in der Fecler- und Taschenmesser-Branche, und wenn auchnicht gar so specialisirt, im Tafelmessergeschäft. Zu jedem Modellmüssen separate Arbeitsinstrumente angeschafft werden; dietechnische Entwickelung des Arbeiters, welcher heute an diesemmorgen an jenem und übermorgen an einem dritten Musterbeschäftigt ist, gelangt nicht zu der Vollkommenheit, welcheer erringen würde, wenn er längere Zeit an derselben Sortearbeiten würde; ebenso bleibt die Qualität, besonders dieFormenschönheit in Folge dieses Umstandes mangelhaft.

Aber selbst bei dieser Richtung der Fabrikation hat So-lingen dem Uebergange zu höheren Betriebsformen seiner In-dustrie sich nicht ganz entziehen können. Zunächst war dasmit den Scheeren der Fall. Etwa seit dem Jahre 1840 be-gann die preussische Seeluvndlung in ihrer Fabrik zu Burg ander Wupper die geringem Sorten, welche den Arbeitern nureine kümmerliche Existenz geboten hatten, zu giessen. DieseGussscheeren brachen leicht und hatten keinen Schnitt. Alsnun die flauen Zeiten kamen, begann der Betrug, indem mangegossene Scheeren für geschmiedete ausgab; das Publikummerkte aber den Schaden und Solingen verlor sein Renommö.Dadurch sanken die Scheerenpreise überhaupt, in Folge dessendie Löhne und viele Meister geriethen ausser Brot. Dazu tratim Jahre 1847 die Krisis in Nordamerika und in Europa 1848zählte man in der Stadt Solingen unter 6000 Einwohnern 60Uarme Familien, also über ein Drittel der Bevölkerung. Alsdann der Sturm durchs Land zog, richtete die Wuth desVolkes sich gegen diese Giesserei; es zog in die Burg undzerstörte die Fabrik. In der Folge entstanden neue Giessereienund im letzten Jahrzehnt beginnt sogar in mittelfeinenSorten der Hartguss Concurrenz zu machen. Jedoch taugendie Gussscheeren nichts, sie sind auf die Täuschung des end-lichen Consumenten berechnet.

Die Schmiederei findet bei einzelnen Sorten Scheeren undbei den Tafelmessern ohne Knopf auch schon vermittelst maschi-neller Vorrichtungen statt; die Klingen werden durch Fall-,Reck- und Federhämmer, die neben einigen Comptoirs ange-bracht sind, aus gutem Gussstahlblech ausgeschlagen, und mitBalancen beschnitten. Dieses rasche Hämmern des Stoffs sollaber den Nachtheil haben, dass er sich seinem Wüchse ge-mäss nicht ausdehnen kann, seine einzelnen Fasern nicht natur-gemäss zusammengeschmiedet werden und die Klingen sichdabei beim Härten werfen, so dass sie sorgfältig gerichtetwerden müssen. Alle übrigen Arbeitsverrichtungen sind derHausindustrie verblieben.

Augenblicklich ist wohl die Scheerenfabrikation die wich-tigste in Solingen; sie besteht in vielen Sorten siegreich jedeConcurrenz und in Sheffield selbst sollen grosse Massen SolingerScheeren lagern. Nicht minder sind die Feder- und Taschen-