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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

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Die Zunftverfassung, wie wir sie in Privilegien und Ver-ordnungen ausgebildet fanden, war am Anfänge unseres Jahr-hunderts völlig auseinander gebröckelt. Soweit diese den hand-werksmässigen Betrieb aufrecht erhalten sollten, waren diesämmtlichen Bestimmungen schon seit Ende des XVII. Jahrhun-derts ausser Uebung gekommen; aber auch als Zwangsverbändeder Lohnarbeiter konnten die Zünfte während der Völkerkriegeweder die Preise ihrer Arbeit, denn wie viele hatten über-haupt Arbeit, noch die Auszahlung derselben in Baargeld,denn wer besass Baargeld, festhalten. Sogar das Fundament \der Privilegien, welche Solingen das Monopol auf die Fabrikation \und den Handel mit Waffen und Messern gaben, war unter- \graben worde n, und zwar von den Solinger Arbeitern undKaufleuten selbst, welche allenthalben mit geholfen hatten,im Auslande Concurrenzunternehmungen ins Leben zu rufen.Im kleinen belgischen Lande litt nur eine kleine Gruppe vonMännern unter den Vorrechten Solingens, welche sie dahermit der grössten Erbitterung angriffen.

Das waren die Remscheider Kaufleute. Diese betriebendamals bereits einen grossen Exporthandel in Stahl- und Eisen-waaren; die Assortirung forderte auch die Solinger Artikel. 1Das war aber untersagt, denn noch am 12. September 1788 \wiederholte eine Verordnung das alte Verbot, wonach beitausend Tlialer Strafe die privilegirten Solinger Kauf- und IHandwerksleute anderen bergischen Unterthanen Klingen wederdirect nocli indirect verkaufen, in Commission geben oder fürderen Rechnung ausser Landes führen durften. Dadurch warendie Remscheider schlechter gestellt, als jeder beliebige DeutzerJude, und in der Presse, in Streitschriften und in Eingabengriffen sie die Solinger Verfassung an. Als echte Freihändlerforderten sie die Aufhebung der Zünfte. Erstickten diese dochnach ihrer Ausführung die Industrie, schwächten den Umlaufder Münze, schmälerten die fürstlichen Einkünfte, entvölkertendas Land und erzeugten Hass, Neid und Zänkerei! Dassähe man an den fortwährenden Processen! Früher hättendie Privilegien genützt, als jene Industrie der einzige Erwerbs-zweig der Gegend gewesen; jetzt aber wäre dieselbe in Stag-nation begriffen, sie nehme weder an Arbeitern zu, noch ver-bessere sie die Technik. Den Meineid mache sie im Landeheimisch, denn die Solinger privilegirten Kaufleute gäben Be-stellungen in Remscheid auf, und nähme ein Handwerker siean, so zwängen sie ihn zum Reinigungseide. Fürs ersteforderten sie nichts Anderes als das Recht, gleich den Aus-ländern mit Solinger Gut zu handeln! Die Solinger verthei-digten jedoch ihr Monopol; ihre neuen Concurrenten würden,um die alten Beziehungen zu unterbieten, die Preise und da-mit die Löhne drücken, und den Fertigmachern gegenüberalle Practiken der unprivilegirten Kaufleute treiben.