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II. 3.
und Ehren gelangt. Zwar war damit ein Eidbruch 1 ) ver-bunden, am 15. October 1613 wurden strenge Strafen daraufgesetzt, die Verordnung vom 31. December 1771 drohte Con-fiscation des ganzen Vermögens und nach Umständen auchLeib- und Lebensstrafen an; die Verordnung vom 6. November1795 erklärte die Ausgewanderten sogar für alle Erbfälle( unfähig, — das Alles vermochte nicht mehr die verarmen-den Arbeiter abzuschrecken. Als dann unter dem Z oll-/|/ schütz von 110 Frcs. pr o 100 Pfund überall auf französischemf. liebiet, im Eisass, in Lothringen, bei Düren und Stolberg,| Fabriken entstanden, welche den Solinger Arbeitern die ver-| lockendsten Aussichten eröffneten, wie Reisegeld, freie Woh-* nung und Werkstätte, Gartenland, freien Brand u. s. w., daverloren Eidbruch und Strafen ihren Stachel, und das „Ver-führen und Entfliehen“ der Arbeiter wird im belgischen Landezu einer grossartigen socialen und wirthschaftlichen Erschei-nung. Die Fabrikanten verlegten ihre Unternehmungen aufdas linksrheinische Gebiet, ihre Arbeiter folgten ihnen undwöchentlich gingen sie nach Köln und Neuss zu diesen Filialenoder auch in ganz fremde Fabriken ab. Als dann am 23.März 180 4 die Freizügigkeit verkündet wurde, war wenigstensauclfün Rechtstitel für das Auswandern gefunden und eskonnte nicht mehr so streng bestraft werden, obwohl dieSolinger noch immer durch ihren Verbleibungseid gebunden; l waren. Wie gross die Summe der überzähligen Arbeiter ge-worden war, lässt sich daraus entnehmen, dass im Jahre 1790,als plötzlich Bestellungen auf 5400 Centner oder 6U00UU StückKlingen, also auf das doppelte des gewöhnlichen Begehreseinliefen, dieselben ganz bequem geliefert werden konnten. Insolchem Masse war also bereits eine Ueberfüllung des Hand-werks, namentlich der Waffenindustrie, in Folge rückgehendenBegehres eingetreten.
Bei einer Aufhebung der Zünfte war daher keine Ueber-füllung der Gewerbe, vielmehr eine Flucht der Meister zu be-furch teil. Dieselbe trat auch ein, aber die Befürchtung, wo-nach Solingen alle seine Artikel verlieren würde, erwies sich,/ als überspannt. Einfache Gewerbe, die auf billigen Materialieni und Lebensmitteln beruhen und deren Producte nur geringeJ Kunstfertigkeit erfordern, sind verhältnissmässig leicht zu über-tragen; die Solinger Industrie beruhte aber auf einer Gesammt-heit technisch hochstehender Arbeiter und wanclerte auch dertüchtigste Schmied aus, so konnte er keiner Fabrik zur Blüthe• verhelfen, die nur mittelmässige Schleifer und Härter besass.Die vorgeschrittene Arbeitstheilung war das wesentlichste Ilemm-; niss einer allgemeineren Verführung der Messer- und Scheeren-\ industrie.
‘) Ebendaselbst. Acta lti. — Bewer a. a; 0. Stück LXXVII.