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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
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gearbeitet hatten. Der Gemeinsinn und in Folge dessen dieFreigebigkeit und der Eifer, den Genossen zu helfen, warensehr entwickelt. Verunglückte ein Schleifer im Kotten, sonahm sich die ganze Bruderschaft des Verwundeten oder Noth-leidenden an, und im Todesfall unterstützten sie die hinter-lassene Familie nach Kräften.

Andererseits klammerten die Meister sich zäh an das Alteund gaben kein Titelchen des Gesetzes auf; sie Hessen dieUnprivilegirten ihre Macht fühlen und ihr Betragen artete oftin zänkische Processsucht aus. Jedoch war dies immerhindas Zeichen einer gewissen Selbständigkeit, welche nicht ge-duldig alles hinnahm, was sie für Unrecht hielt. Die Unregel-mässigkeit im Erwerbe, wobei mancher Handwerksmann oft2 2Fa Thaler täglich, oft gar "nichts verdiente, beförderteungeordnete Lehensgewohnheiten: Spiel, Streit und Verschwen-dung waren verbreitet; die Heftigkeit im Beden und dasan-haltende Fluchen waren so zur Gewohnheit geworden, dasssie es sogar vor ihrer Obrigkeit nicht Hessen. Die Klage überden Kleiderluxus ist schon oben erwähnt worden: doch sahensie schmuck aus in ihrer gewöhnlichen Tracht, die altenCyclopen, in der kurzen Weste von feinem blauen Tuch mitkleinen silbernen Knöpfchen und in der weiss baumwollnenKappe. Weniger schmuck waren ihre Häuser aus Holz undLehm, doch grösstentheils gut gebaut; steinerne Häuser gabes im ganzen Amte Solingen fast keine, selbst die schönstenGebäude der Kaufleute waren von Holz erbaut und an deräusseren Seite mit Lehm bedeckt. Die Gütchen, welche dieMeister gewöhnlich besassen, bestanden aus drei bis vier MorgenBauland, einem kleinen Biischchen und etwas Wiesen; auf dreiMorgen wurde eine Kuh gehalten; Gütchen von sieben bisacht Morgen galten bereits als grössere. Indess waren dieSchmiede keine sonderlichen Landwirthe, und die Landwirth-schaft stand auf keiner hohen Stufe.

Die Meister gaben den Kaufleuten wenig nach. Siefühlten ihren Werth, sie wussten, dass diese auch vom Hand-werk herstammten, demselben ihren Wohlstand verdanktenund oft noch die Schwielen trugen, die sie selbst sich amAmboss angeschmiedet hatten. Die Kaufleute Hessen ihnendiese Gefühle. Auch sie erinnerten sich noch wohl ihrer Ahnenund mancher aus ihrer Mitte griff, wenn dev Handel nichtmehr glückte, wieder zum Hammer. Jedoch hatte immerhinim Laufe des XVIII. Jahrhunderts ein selbständiger Kaufmanns-stand sich gebildet, in einzelnen Firmen reich an Capital undGeschäftsverfassung, viel gereist in fremden Ländern und fremderSprachen mächtig. Am Anfänge des Jahrhunderts nur aus2030 Firmen bestehend, zählte die privilegirte Kaufmann-schaft im Jahre 1789 deren 63 und am Ausgange des Jahr-hunderts gegen 100; im Jahre 1791 gab es allein 2025 Klingen-