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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

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Von der Gesammtzahl der 45004700 Arbeiter machtendie Messermacher etwa ein Drittel, die Schwertschmiede einViertel, die Schleifer ein Fünftel, die Scheerenmacher einZehntel und alle übrigen Gewerbtreibenden wohl auch einZehntel aus. Sehr ins Auge springend ist die grosse Anzahlder unprivilegirten Arbeiter, etwa ein Drittel der Gesammtheit.Es waren dies die den schweren Hammer führenden Zuschlägerund Abhauer, die Feiler an den Scheeren, die ausserhalb derHandwerke stehenden Quincalleriearbeiter und vor allein diegrosse Menge der an anderen Materialien als Eisen und Stahlbeschäftigten Pockholzschneider, Bände- und Heftemacher, Leder-arbeiter, Gelbgiesser u. s. w. Auf diese ihre Lohnarbeiterblickten die Meister mit Stolz und Verachtung herab; verloreiner der Ihrigen z. B. einen Einstandsprocess gegen einensolchenWilden, so war die ganze Bruderschaft in tiefe, tage-lange Trauer versetzt, Sie glaubten gleich ihre Privilegienverletzt, und solche Privatstreitigkeiten wurden zur Angelegen-heit des gesammten Handwerks erhoben und auf dessen KostenProcesse geführt, in ähnlicher Weise wie die Licentdeputationsich aller Streitigkeiten der einzelnen Kaufleute annahm.

Die Jahrhunderte alten Privilegien hatten unter den Hand-werkern eine erbliche Aristokratie mit allen Vorzügen undallen Mängeln einer solchen erzeugt. Die uralten Familienhingen mit unsäglicher Liebe an der Verfassung, welche sieschützte, sie über andere erhob, sie geehrt und angesehenmachte. Daher die Verachtung der Unprivilegirten, daher aberauch das Bestreben, sich der Vorrechte würdig zu erweisen.Die alten Meister hielten etwas auf sich und den Ruf ihrerFamilie; sie setzten ihren Ehrgeiz darin, tüchtige und geachteteMeister zu sein; Verbrechen und entehrende Handlungen warenunter ihnen selten. An Bildung überragten sie die übrigenEinwohner bedeutend; hatte doch jeder von ihnen zu erwarten,dass er einst als Vogt, Rathmann oder Schreiber ein ehren-volles Amt zu verwalten haben würde! Kaum sechs unterhundert waren des Lesens und Schreibens unkundig, vieleschrieben sogar sehr schön und waren im Rechnen sehr ge-wandt. Jede Honschaft (die verschiedenen Kirchspiele undWald zerfielen in je acht Honschaften) hatte einen Lehrer,welcher von den Eingesessenen neben freier Wohnung undBeköstigung einen für damals sehr ansehnlichen Gehalt vonfünfzig bis sechzig Thalern jährlich erhielt und gewöhnlichledigen Standes war, damit keine Nahrungssorgen oder Neben-gewerbe ihn von seiner einzigen Aufgabe, der Kindererziehung,ablenkten. Viele Meister hatten Neigung zur Literatur undschönen Kunst, wie die Pränumerationslisten einzelner Werkebewiesen. In den Concerten in Solingen und Wald zeichnetensich Abends durch Geschicklichkeit in der Tonkunst Männeraus, welche Tags im Kotten oder hinterm Amboss sich müde