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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

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Einkaufspreis losgeschlagen, die Preise auf den ausländischenMärkten verdorben, das eigne Vermögen verloren und der Lohntief herabgedrückt. Besonders diejenigen Fertigmacher, welchemit wenig Capital und geringer kaufmännischer Einsicht ope-rirten, waren in Verlegenheit und drückten die Preise amtiefsten; sie streiften, um Absatz zu finden, über die deutschenMärkte hinaus bis nach Holland, Brabant, Flandern und Fries-land. In der elendesten Lage befanden sich die Handwerker;ein wackerer Arbeiter konnte kaum einen Schilling oder höch-stens zehn Stüber *) täglich verdienen; viele mussten sogarKohlen tragen, um das trockene Brot zu verdienen.

Das Trucksystem stand in voller Blüthe. Dasselbe be-ruhte zum Theil auf dem Zahlungsverfahren, da von Messe zuMesse oder doch mindestens auf ein halbes Jahr Credit ge-währt wurde; zum andern Theil erhielten namentlich währendflauer Zeiten die Fertigmacher von ihren Käufern Waaren inZahlung. Die Arbeiter wurden ganz gewöhnlich mit Kaffe,Thee, Tabak, Bekleidungsgegenständen u. s. w. abgefundenund nur mit Verlust konnten sie dieselben bei Juden wiederabsetzen. Der Baargeld fordernde Arbeiter blieb ohne Be-schäftigung, und von der Concurrenz gezwungen, nahmen vieleKaufleute das Trucksystem an. Das hatte neben der Ver-kürzung des Lohnes eine Demoralisation der Consumtionsge-wohnheiten zur Folge. Seit der Mitte des Jahrhunderts beginnendie Klagen über dieKleiderpracht, zu welcher die Hand-werker veranlasst wurden; dieselbe tlieilte sich auch anderenKlassen mit und die ganze Consumtion beruhte schliesslichauf unproductiven und unsoliden Gewohnheiten, welche dasTrucksystem mit hervorgerufen hatte. Untersuchungen fandenin den Jahren 1742 und 1772 statt, aber ohne Erfolg; Vogtund Rath nahmen selbst zur Erlangung der Gunst Waaren an:die Strafe von 14 Goldgulden war zu niedrig, zumal selbstmehrfache Uebertretungen mit einfacher Strafe belegt wurden;die Folge war ein verstärktes Waarenzahlen, um den Schadenwieder einzuholen. Selbstverständlich lieferten bei so ver-kürztem Lohne die Meister auch nur schlechte Arbeit und dasMaterial, welches der Kaufmann hingab, war gleichfalls vonder schlechtesten Beschaffenheit.

Die Schleifer waren die ersten, denen es am 22. December1770 gelang, mit den Gabelmachern einen Lohnsatz zu Standezu bringen. Die Kaulleute petitionirten dagegen, weil siedadurch Schaden zu erleiden behaupteten. Die Schleifer ihrer-seits wandten sich am 22. October 1774 an die Regierung mitder Klage, dass keiner von seinem Lohne leben könnte; essollte daher jeder Gabelmacher die Lohnsatzung beim Vogte

fl Ursprünglich gingen 60 Stüber auf den Reichsthaler, nach 18157278 auf den preussischen Thaler.

Forschungen (8) II. 3. Thun 2.

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