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2 (1879) Die Industrie des bergischen Landes : (Solingen, Remscheid und Eöberfeld-Barmen)
Entstehung
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II. 3.

dann die Messer zusammen und verhandelten dieselben; sovermochten sie ihr kleines Kapital in Handel und Fabrikationumlaufend zu erhalten und ihre Arbeitskraft zu verwerthen.Fertigmacher zu werden, war das Ziel der wirthschaftlichenTalente und arbeitsamen Meister; aus ihnen heraus rang sichein kleiner Tlieil empor zu der noch ehrenvolleren Stellungdes Kaufmanns.

In den Zeiten des Aufschwungs benutzten die unterneh-menden Meister den gesteigerten Begehr nach Messern undwurden Fertigmacher; hörte die Nachfrage auf, so fand dievergrösserte Zahl derselben keinen Absatz für ihre Waarenund musste befürchten, dass wenn die Messer längere Zeitliegen blieben und in der Fa^on veralteten, sie dieselben um-arbeiten müssten. Das trieb sie denn hinaus, um nach demVorgänge einzelner glücklicher Genossen auf internationalemMarkte den privilegirten und unprivilegirten Kaufleuten Con-currenz zu bereiten. Ein Ilauptabsatzort waren damals nebenden deutschen Messen die holländischen Häfen. Die Fertig-macher, gänzlich ungebildete Leute, ohne Kenntniss desLesens, Schreibens und Rechnens, ohne kaufmännische Er-fahrung, ohne Kenntniss der Frachten, Zölle und Auflagen,fuhren z. B. nach Amsterdam. Hessen sich die Maaren nach-kommen und erkundigten sich dann in der Stadt, welche Kauf-leute mit ihren Artikeln handelten. Nun pilgerten sie vonComptoir zu Comptoir; der schlaue Holländer erkannte sofort..den Vogel an seinen Federn, gab vor, keine Messer zu brauchenund bald war der Handwerker so muthlos, dass er zu jedemPreise losschlug. Während in guten Zeiten manche Fertig-macher ihr Glück fanden, verhandelten andere ihr ganzes Ver-mögen. Und nicht einmal Baargeld erhielten sie, sondern derholländische Mynheer benutzte seine Uebermacht, um denMeistern Kaffee, Zucker, Oel und dergleichen, welche er aus denColonieen zu viel niedrigerem Preise bezog, im Tausch aufzu-drängen. Mit solchen Waaren im UeberHuss beladen kehrten dieFertigmacher in ihre Ileimath zurück. Geld hatten sie nicht be-kommen und besassen sie auch sonst keines, folglich zahlten sieihren Lohnarbeitern mit denselben Waaren, die ihnen aufgenü-thigt worden waren. Ihnen secundirten wacker die unprivile-girten Kaufleute, welche eine vortheilhafte Gelegenheit darinfanden, ihre mannigfaltigen Waaren zu verwerthen; und die pri-vilegirten Kaufleute, welche noch keinen Laden hatten, suchtensich dadurch schadlos zu halten, dass sie die Bohmaterialienwie Eisen, Stahl, Kohlen, Hölzer zu höheren Preisen oder inschlechterer Qualität den Handwerkern lieferten. Während inder Schwertfabrik seit dem XVII. Jahrhundert eine Hauptur-sache des Waarenzahlens dadurch schwand, dass die endlichenKäufer, die Staaten, reelle Baarzahler waren, gelangte geradein der Messerindustrie ein Truksystem zur Blüthe, welches